Freitag, 30. Januar 2015

K59 - Kuchen



Kuchen. Ohje. Letzte Woche hatte ich schon die Befürchtung, diese kleine Seite entwickelt sich langsam zum Foodblog. Ich kann aber auch nichts dafür, wenn nach K58 Küche jetzt K59 Kuchen kommt. Hieße Kuchen anders, z.B. Flapp, dann stände er zwischen F22 Film und F39 Friedhof. Aber gut, wollen wir mal loslegen. Mitte oben: Kreppel sagt mir nichts. In der Brockhausausgabe von 1975 heißt es Kröppel, sagt mir auch nichts. Hier sieht es aus wie Bruchgebäck. Laut Wikipedia ist es eine alternative Bezeichnung für Berliner Pfannkuchen. Die in Westfalen natürlich nur Berliner heißen. In Berlin bestellt man Pfannkuchen. Wenn man in Westfalen Pfannkuchen bestellt, bekommt man einen Pfannkuchen. Warum die Berliner in Berlin nicht Berliner heißen, war mir immer ein Rätsel. Die Hamburger heißen in Hamburg ja auch Hamburger und nicht Fleischklopse. – In der Mitte: DIE Stolle? Merkwürdig. Aber im Wörterbuch der Gebrüder Grimm taucht der Stollen auch als die Stolle auf und ist erklärt als „semmel von länglich dicker, im durchschnitt ein wenig kantiger gestalt“. Echt komisch, wie schnell die Sachen ihr grammatikalisches Geschlecht wechseln. Obwohl ich für Stollen das männliche Geschlecht besser finde. Er ist halt kein Mädchenkuchen wie die Gugelhupf. – Eine Kuriosität am Rande ist, daß das Nudelholz sowohl bei K58-Küche als auch bei K59-Kuchen auftaucht. – Jetzt aber noch etwas anderes. Kürzlich stand ich der Gemäldegalerie vor Quinten Massys Thronender Madonna. Massys ist so eine Art belgischer da Vinci. Ungewöhnlich an dem Bild ist, daß Maria ihren Jesus herzlich abküßt. Neben sich auf dem Tisch liegen Kirschen, ein Apfel, Brot und ein seltsames Gebäck. Ich hatte keine Ahnung, was das sein sollte. Oder eine extrem verunglückte Ananas, die Massys nur aus Erzählungen kannte? Gar eine Milchpumpe aus dem 16. Jahrhundert? Gefuttert hat Jesus doch bestimmt, Gottes Sohn hin oder her. Ich hab das Ding fotografiert.
   




Quinten Massys: Thronende Madonna, 1525 (Thron und Madonna nicht im Bild)


So, und das sieht ja fast haargenau aus wie auf unserem Brockhaus-Bild. Wie diese Noppen daran kommen, ich weiß es nicht. Ich kenne Baumkuchen ja nur in Reifen. Bei dem Berliner Baumkuchenspezialisten Buchwald sehen die Baumkuchen auch ringförmig aus. Ich habe mal sorgfältig recherchiert. Baumkuchen mit solchen Noppen gibt es in Salzwedel, das ist nördlich von Magdeburg. Buchwald hingegen schreibt, er backe nach Cottbusser Art. Merkwürdig ist auch, daß man 1525 schon weiße Schokolade kannte. Ich war bisher sogar der Ansicht, sie ist erst Anfang der 70er erfunden worden. Seltsam. Der Baumkuchen ist übrigens der einzige Kuchen, den man von oben nach unten quer schneidet. Das senkrechte Schneiden gilt in Baumkuchenconnaisseurkreisen als unverzeihliches Sakrileg. Das wußte ich auch noch nicht. Oh, Kuchenhunger bekommen.

So, jetzt müßt ihr mir nur noch sagen, was eine Kuchenbürste ist. Eine Bürste für die Krümel?



Kommentare:

  1. "Kreppel" sind hier, also in Sachsen, bekannt als "Kräppelchen". Und dies sind wiederum kleine Hefeteigstückchen welche im heißen Öl ausgebacken werden. Serviert werden sie im (halben) Dutzend in der Spitztüte auf dem Weihnachtsmarkt oder anderen Straßenfesten. Über die Kräppelchen kommt eine ordentliche Portion Puderzucker - dieser findet sich zum großen Teil auf der Jacke des Essenden wieder. Aber das nimmt man für Kräppelchen in Kauf.

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  2. Als Kreppel kenne ich zwei relativ ähnliche Arten von Gebäck. Vermutlich ist das Regional unterschiedlich.

    Zuerst mal kenne ich Berliner auch als Kreppel. Dann kenne ich aus Hessen, ähnlich wie Petra aus Sachsen, traditionelle Kreppel. Der Unterschied zwischen Berliner und traditionellen Kreppel liegt hauptsächlich in der Zubereitung. Bei selbst gemachten Berlinern (der Bäcker hat sicher eine Teigformmaschine dafür), wird der Teig gleichmäßig ausgerollt und runde Stücke ausgestochen, die ins Fett kommen. Bei traditionellen Kreppeln wird der Teig nicht ausgerollt, sondern es wird ein Stück Teig mit einem Löffel abgestochen und mit Hilfe eines zweiten Löffels direkt ins Fett abgestreift. Die so entstehenden unregelmäßig geformten Kreppel werden auch nicht mit irgendwas gefüllt.

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  3. Dass die Stolle ihr Geschlecht gewechselt hat, könnte das Resultat einer Art von Übergeneralisierung sein - in Anlehnung an das unterirdische Homonym. Oder liegt Polysemie vor?

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  4. Polysemie kann ich mir nicht vorstellen. Wo läge die gemeinsame Wurzel von Stollen und Stollen? Interessant aber Ihre These der Übergeneralisierung. Nachdem die Stolle sich ein n zulegte, ist sie dem Stollen in die Falle gegangen. Mir fällt allerdings kein einziges weiteres Beispiel ein, wo das geschehen ist. Ihnen?

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  5. Zur Kuchenbürste habe ich in einer dubiosen Quelle gefunden, dass man damit Glasuren und ähnliches auf Kuchen aufträgt. Also ein Backpinsel XXL.

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