Freitag, 6. Oktober 2017

Z06 - Zeitung




Zeitung. Es ist natürlich interessant, daß die Brockhausmacher eine Ausgabe mit dem Jahrgang 1934 auswählen (wie natürlich in der Ausgabe des Brockhaus 1944). Ein „Starkes Erdbeben in Japan“ hat es allerdings im Jahr zuvor gegeben, das sog. Shōwa-Sanriku-Erdbeben von 1933.



Ich habe mal ein echtes Titelblatt einer Zeitung, das Schwedter Tagblatt, hier beigefügt. Topmeldung an diesem Tag ist neben der blöden Winterhilfe die Ermordung des jugoslawischen Königs in Marseille. 

Quelle: Staatsbibliothek Berlin
 

Und das ist wirklich hochinteressant: Die Ermordung von Alexander I. war wohl das erste Attentat, das mit Kameras aufgezeichnet wurde. Sozusagen Nightmare on Elm Street im Jahre 1934. Wenn ihr bei Youtube Alexander Jugoslawien Attentat eingebt, werdet ihr auf eine hochinteressante und detaillierte arte-Dokumentation des Attentats geleitet. Tatsächlich wirklich faszinierend.



Aber zurück zu den Zeitungen. Damals in Dortmund gab es zwei Zeitungen: Die „Westfälische Rundschau“ und die „Ruhr Nachrichten“. Beide gibt es heute noch. Die WR gehört zur Funke Mediengruppe, die RN zum Verlagshaus Lensing. Beide haben um die 150.000 Stück Auflage. Die WR war ein bißchen mehr SPD, die RN ein bißchen mehr CDU, aber das waren eher sehr leichte Abweichungen von einer imaginären Mitte von 90°. Meine Eltern haben ziemlich häufig gewechselt, bestimmt 4 oder 5mal. Ich weiß gar nicht mehr genau, warum. Es ging nicht um irgendwelche Kaffeemaschinen-Zugaben. Ich glaube mich zu erinnern, daß es die Berichterstattung war. Und zwar regionale Berichte. Meine Eltern hatten den Schwerter Lokalteil abonniert, weil meine Mutter aus einem dortigen Vorort stammte und auch dort arbeitete. Wir hatten also einen Regionalteil, der die Gegend, in der wir wohnten, gar nicht abdeckte. Dafür konnte meine Mutter über das Grünkohlessen der Diakonie lesen, zu dem sie aber gar nicht hinging. Wahrscheinlich waren ihr auch die Todesanzeigen wichtiger.



Regelmäßig kam es allerdings zu Verärgerungen über die Westfälische Rundschau und die Ruhr-Nachrichten, vielleicht war sie mal nicht eingeworfen worden, oder irgendetwas fehlte im Regionalteil. Bestimmt war der Grund kein politischer Kommentar. Das hat meine Eltern zwar interessiert, aber beide Zeitungen waren da wohl auch eher das wohltemperierte Klavier. Wie auch immer, alle paar Jahre kam es zur Zeitungs-Vendetta, und meine Eltern wechselten von den Montagues zu den Capulets, oder wieder zurück. Ich hab die Zeitung auch immer gerne beim Frühstück gelesen. Zuerst den politischen Teil, inklusive Kommentar, den ich gut fand oder nicht. Dann natürlich den Sportteil. Sogar die Wirtschaftsseite habe ich gelesen. Dort stand meistens (egal ob WR oder RN) ein Artikel über den Streit zwischen den fusionierten Unternehmen Hoesch AG aus Dortmund und Hoogovens aus Rotterdam. Hoesch warf den Holländern immer vor, die Dortmunder zu benachteiligen. Ich persönlich konnte das in unseren holländischen Ferien nicht nachvollziehen. An der Fischbude Veronica gab es immer Riesenportionen Patat met Fritessaus. Von wegen Benachteiligung. 1982 trennte man die Firmen tatsächlich, allerdings wurde Hoesch dann 1992 von Thyssen Krupp feindlich übernommen (ihr könnt dazu auch H22 Hochofen) mal nachlesen. Heute gibt es statt Hoesch in Dortmund nur noch einen See. Brauereien gibt es eigentlich auch nicht mehr. Dortmund besteht zu 90% aus Borussia.


Später ging ich dann nach München. Das erste,was mich erstaunte, waren die Zeitungskästen, in denen die Abendzeitung AZ und Tageszeitung TZ, aber auch BILD und Merkur, gelegt wurden. Man vertraute auf die Ehrlichkeit des Publikums, die Verlage nicht um 80Pf. zu betrügen. Die Süddeutsche kostete 1,50 DM, aber da mußte man das Geld erst einwerfen, bevor sich die Klappe öffnete. Die Süddeutsche wurde damals meine Lieblingszeitung. Auch heute lese ich sie noch recht gerne. Sie hat den besten deutschen Sportteil. Der Wirtschaftsteil (Hoogovens!) ist bei der FAZ besser, aber dort ist der Sportteil sogar noch schlechter als in der WELT. Man kann einfach nicht alles im Leben gleichzeitig haben. Echt.
 

Übrigens, die Hauszeitung des BVB sind die Ruhr-Nachrichten. Die Hausfarben der Ruhr-Nachrichten sind blau-weiß.



 (Achja: es gibt jetzt klitzekleine Herbstferien, aber dann natürlich ein tolles Finale dieses Blogs. Leute, wir sind bei Z. Z! Z! Z!)