Freitag, 23. September 2016

S55 - Spanner, Spargel etc.



Spanner. Ein Schuhspanner, so dachte ich als Jugendlicher, sei nun wirklich das Spießigste des Universums. Schuhspanner! Der Bausparvertrag unter den Gegenständen! Die braucht man auch nicht für hohe weiße adidas Allround (übrigens: GRAUENHAFT! Ich hatte mindestens 3 Paar , fast glatte 10 Jahre lang hintereinander). Dann aber wird man erwachsen, hat Firmenlederhalbschuhe (Firmen-Lederhalbschuhe, nicht Firmenleder-Halbschuhe) und muß feststellen, daß sie einfach doppelt so lange halten, wenn man sie mit Schuhspannern abends zur Ruhe schickt. Ich habe allerdings nur zwei Paar. Ich finde, das geht noch, wenn man ansonsten Rock and Roll drauf ist. Zwei Paar, mehr nicht.



Spargel. Meine Mutter mochte keinen Spargel, und so kam ich erst recht spät zum Genuß echten Spargesl. Abgesehen davon war frischer Spargel ohnehin nicht so verbreitet in den Siebzigern. Da gab es Dosenspargel, in schwarzen Dosen, die immer aus Formosa kamen. Ich wußte schon als Kind, Formosa ist Taiwan, und war darauf nicht wenig stolz. So richtig Freunde sind Spargel und ich auch nie geworden. Was überhaupt nicht geht, ist Spargel nach dem Johannistag essen – das ist der 24. Juni. Dann nur noch Dosenspargel aus Formosa, bitte.



Sparbüchse. Ja, ich hatte auch öfter Sparbüchsen von der Stadtsparkasse. Eigentlich so alle halbe Jahre. Mir war auch klar, daß ich mit Pfennigen und Groschen nicht besonders weit käme. Ich habe dann sogar mal ein Zweimarkstück oder ein Fünfmarkstück investiert. Das ging dann so bis ungefähr zehn oder zwölf Mark, dann war aber der Drang nach Disneys Taschenbüchern oder Süßigkeiten größer als mein unbändigre Sparwillen. Eigentlich war es ja sogar so gedacht, mit der Sparbüchse zur Sparkasse zu gehen, um damit dann sein Konto aufzufüllen, für den Führerschein oder eine Stereoanlage. Ältere Geschwister hatten dann Dreiliter-Asbachflaschen. Da paßte dann deutlich mehr Kohle rein als ins Sparkassenschwein. Die sind dann davon in den Campingurlaub gefahren. Also vorher die Flasche mit einem Hammer zerschlagen und dann das Geld in einen Sack, und dann erst zur Sparkasse, die ja so einen tollen Münzzählapparat hatten. - Ich habe mich einmal auf der Seite der Sparkasse umgetan: für das Sparschwein gibt es mittlerweile eine App. Immer wenn einem der unbändige Sparwunsch befällt, kann man dann ein paar Euro auf ein Tagesgeldkonto schnippen. Riesennachteil: die Kohle ist sofort bei der Sparkasse und man kann das Schwein nicht schlachten, bevor sie voll sind. Ich glaube, die Konzepte muß man einmal verbinden: eine Asbach-Uralt-Spar-App. Per Paypal kann man dann 50 Cent oder auch mal einen Euro oder zwei in die Asbach-App reinwerfen (schönes Asbach-Uralt-Flaschen-Münz-Geräusch). Man kann auch an der Flasche herumwackeln (auch schönes Geräusch). Natürlich verrät die App nicht, wie viel in der Pulle drin ist. Und dann muß es aber auch die Ich-nehm-jetzt-den-Hammer-Option auch geben – den Hammer muß man allerdings erst runterladen (In-App-Kauf: 4,99 €). Tolle Idee. – Da fallen mir auch noch die Sparschränke in Gaststätten ein. Die hingen früher an einer Säule Richtung Klo, und hatten winzige Fächer, in die man dann Geld reinwerfen konnte, - und mußte, sonst war Strafgeld an den Sparclub fällig. Angeblich hängen noch mehrere hunderttausend von den Dingern in Kneipen herum, ich kann mir das kaum vorstellen. Zumal die Sparclubs auch einen erheblichen Teil des Geldes dann in der „Auszahlungsfeier“ verballern. Aber auch für Sparschränke könnte man eigentlich eine App…





Sperling. Vor ein paar Jahren haben wir einmal unser Herz für Spatzen entdeckt und einen Futterkasten gekauft, den wir auf einen kleinen Balkontisch stellten. Im Kasten war dann Futter, das genau so aussah wie die Sachen, die auf den 80cent-Brötchen beim Biobäcker drauf sind. Einige Tage passierte erst mal gar nichts. Dann aber entdeckte eine Spatzengang unser Futterhaus, und anschließend lief das immer so: ungefähr einmal pro Stunde kam die Spatzengang (ca. 20 Tiere) angeflogen, machte ein riesiges Theater und futterte Kürbiskerne und anderes Vollwertiges. Ich malte ein Schild „SPATZENKLAUSE“ und hängte es an das Häuschen. Übrigens futterten sie natürlich nie das Häuschen leer. Es scheint eine Spatzen-Überlebensstrategie zu sein, immer nur ein paar Minuten abzuhängen, bevor sie weiterziehen. Einmal hatten wir dann eine Plastikkrähe gekauft und sie neben die Spatzenklause gestellt. Zufällig war ich Zeuge, als dann unsere Spatzengang vorbei kam. Und es war wirklich lustig: erst saßen sie auf dem Balkongeländer und palaverten, was das denn wohl für ein Ding sei. Aber keiner traute sich vor. Dann schließlich schickten sie einen vor. Der flatterte erstmal auf den Tisch vor der Klause und guckte. Nichts geschah. Dann trippelte er schnell vor, schnappte sich einen Kürbiskern und flatterte wieder auf das Geländer zurück. Gut, dann war wieder alles klar: die ganze Bagage folgte dem kleinen Spatzenhelden und Krähenbezwinger, und futterte ungeniert weiter. Auf die Krähe haben sie draufgekackt. Und das war eigentlich auch das Problem mit der Spatzenklause: Spatzen kacken überall hin. Ich hatte sogar ein Schild gemalt mit einem durchgestrichenen Haufen, aber das kapieren Spatzen wohl nicht. Und so mußte die Spatzenklause schließen. Die Krähe kam in den Keller.