Freitag, 24. Juni 2016

S33 - Schokolode, Schotten




Schokolade. Ich esse kaum noch Schokolade. Zwei Tafeln pro Jahr vielleicht. Das hätte ich mir allerdings auch anders gedacht, als ich klein und schokoladengierig war. Früher gab es eigentlich genau so viele Marken, aber die Marken hatten viel weniger Sorten. Am unbeliebtesten war bei mir Alpia, weil die nach Seife schmeckte. Auch Sarotti war nicht so der Bringer, ganz zu schweigen von Feodora, die einem nur alte Tanten mitbrachten, und dann noch Halbbitter. Bitterschokolade erschien mir als Kind als ungeheure Verschwendung von Kakaopotenzial. Wie war man nur auf die Idee gekommen, unsüße Schokolade herzustellen! Der Mercedes und BMW der Schokoladen waren Milka und Ritter Sport. Während es Milka eigentlich nur Vollmilch und Nuß als relevante Sorten gab, hatte sich Ritter Sport von Anfang an breiter aufgestellt. Da gab es zum Beispiel Rum-Trauben-Nuss, meine Lieblingssorte. Oder Joghurt, was ein ganz anderer Schnack als normale Schokolade war, und Noisette, die auf eine ganz schmelzige Art doppeltsüß war. Mittlerweile gibt es eine krasse Sorteninflation, mit auch zum Teil affigen Sorten wie Milka Oreo oder Ritter Sport Bratapfel. Leider ist dann alles auch irgendwie egal, während 1992 bei der Einführung der gelben Ritter Sport Knusperflakes noch die Welt stillstand. – Unter H9 Haselnuß habe ich übrigens schon ausführlich über die „Garantie 27“ der Novesia Goldnuß geschrieben.

Schotte. Immerhin, am Tag des Brexit, wenigstens etwas schottischen Content. Neben dem ohnehin wunderlichen Briten sind die Schotten noch einmal extrawunderlich. Sie haben ungeführ so viel Einwohner wie Hessen, aber haben sowohl Dudelsack als auch Kilt als auch den Whisky erfunden, wohingegen der Hesse sich nur Apfelwein und Grüne Soße ausgedacht hat. 1:0 Schottland. – Das Muster des Kilt heißt bekanntlich Tartan. Jeder Clan hat einen eigenen Tartan. Man muß sich das so vorstellen wie die Kutten von Borussia oder Hell’s Angels. Und damit es da kein Durcheinander gibt, wacht das Scottish Register Of Tartans darüber, dass es keine doppelten oder ungehörigen Muster gibt. Der frischeste Tartan ist vom 22.6.2016, von einem gewissen Jestin Jones. Sein Tartan ist rotgrau, und der Vermerk dazu lautet: “Jestin Jones designed this tartan inspired by his family's history. It may be worn by all those sharing the Jones surname”, was ich einigermaßen größenwahnsinnig finde. Und: der Mann wohnt auch nicht in Edinburgh, sondern in Lincoln, Nebraska. Shocking. Die allermeisten registrierten Tartans sind für „exclusive use“ einer Familie. Ja, Hessen, und ihr so? -