Mittwoch, 10. Juli 2013

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Jahrelang hatte ich den Brockhaus nicht beachtet. Er zog mit mir um, wurde in Bücherregale eingeräumt, fand sich wieder zwischen dem Praktischen Hausschatz der Heilkunde und dem Großen Kulturfahrplan, wurde wieder ausgeräumt und in einer anderen Wohnung eingeräumt. Als Kind war es eines meiner Lieblingsbücher gewesen, schon bevor ich lesen konnte. Vor allem, weil auf jeder Seite Illustrationen standen, die ich mir stundenlang anschaute. Der einbändige Brockhaus von 1952 ist ein Sprachbrockhaus, aber er enthält neben Schreibungen und grammatikalischen Angaben auch stichpunktartige Erklärungen über den Gegenstand, und falls den Herausgebern das Aussehen des Gegenstands wichtig, fraglich oder bemerkenswert schien, zusätzlich noch diese Illustrationen, die auf jeder Seite in einen Kasten zusammengefügt werden.



Irgendwann einmal blätterte ich das Buch wieder auf. Ich war sofort wieder gefangen von den wunderschönen Abbildungen. Und da kam mir eine Idee. Wie wäre es denn, diesen Sachen nachzugehen und einmal nachzusehen, was von dieser Welt von 1952 noch übrig ist? Ich begann, einige Abbildungen zu scannen und dazu Texte zu verfassen. Diese Welt aus dem Brockhaus ist ein großes Wunder. Aber völlig anders als unsere heutige Welt.



Auf dieser Reise in das Jahr 1952 werden uns Gegenstände und Geräte begegnen, deren Zwecke und Verwendung uns mittlerweile rätselhaft sind. Wir werden auch mit Google und Wikipedia nichts oder wenig über eine Ringdusche finden oder über einen Rinderbraten a la financière. Aber wir werden erfahren, was ein Angster ist, ein Aquamanile und ein Feston. Wir werden uns über die Eisenbahnbesessenheit dieses Zeitalters wundern. Und über hassende Vögel, komische Weißbiergläser und woher das Wort Gong kommt.



Ein besonderer Reiz liegt darin, daß der Brockhaus natürlich dem Diktat des Alphabets zu folgen hat und dadurch vermeidet, irgendeiner zweifelhaften Systematik des Wissens zu unterliegen. So finden Befruchtung und Beichtstuhl in einer Illustration zusammen, oder Eis und Einhorn. Es sind Bilder aus einer Welt, die nicht mehr unsere Welt ist. Wir werden uns darüber wundern, was die Welt so alles vergessen hat. Manchmal ist es gut, ein anderesmal vielleicht nicht. 

Und hier geht es los.

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