Freitag, 2. Juni 2017

W03 – Wacholder, Wachtel etc.


Wacholder. Heute viel aus Flora und Fauna. Es gibt wohl kaum einen Strauch, dessen Anwendung so alkoholbezogen ist wie Wacholder. Angeblich gibt es in der Schweiz einen Brotaufstrich, und manchmal schmeißt man die Beeren auch ins Sauerkraut. Ansonsten: Schnaps. Gin, Genever, Steinhäger. Wahrscheinlich hat der Wacholder unter den Sträuchern einen ähnlich schlechten Ruf wie der Schlafmohn. Allles Junkies und Schnapsdrosseln. Übrigens gibt es auch hier wieder erhebliche Streitigkeiten, wie viele Wacholderarten es gibt. Biologen sind mißgünstig und streitsüchtig, und trinken wahrscheinlich dazu Gin Tonic. – Viel lieber als Gin mag ich aber den holländischen Genever (die Namensähnlichkeit ist kein Zufall). Schließlich kommt dieser auch im „Zauberberg“ vor, jener aber nicht. Man sollte mit schnapslosen Romanen vorsichtig sein. Hat Kafka jemals über Schnaps geschrieben? Tatsächlich sowohl im Prozess als auch in Amerika, dort kommt sogar ein ganzes Faß vor. Prost, jetzt genehmige ich mir einen schönen jungen Genever.



Wachtel. Ich esse keine Wachteleier. Ich finde das sogar ein bißchen eklig. Es ist natürlich unlogisch, Hühnereier zu futtern, aber der Wachtel kein Ei rauben zu wollen. Übrigens sind Wachteln große Meister im Verbergen. Obwohl sie über ganz Europa verbreitet sind, bekommt man sie nie zu Gesicht. Weil sie sich immer so gut verstecken. Übrigens gehören sie zu den wenigen Vögeln, bei denen Weibchen und Männchen praktisch identisch aussehen. Ein echter Inkognitovogel. Unterscheiden kann man sie anhand ihres Rufes: die Männchen rufen immer Pickwer-Pick, die Mädchen antworten Gru-Gru. Nagut, wenn es eben Spaß macht. Darauf einen Genever.



Waldmeister. Den habe ich schon immer sehr gemocht. Allerdings war mir als Kind unklar, wie eigentlich der Waldmeistergeschmack an Waldmeister kommt. Sind es Beeren? Sind es natürlich nicht. Ich mußte jetzt auch nachgucken: es sind nicht die Blüten, sondern das Kraut. Waldmeister gehört auch zu den Sachen, bei denen man nicht die geringste Ahnung hat, wie es auf Englisch heißen könnte. Jedenfalls nicht Forest Master. Sondern sie heißen: bedstraw. Der Waldmeistergeschmack beruht übrigens auf den Wirkstoff Cumarin, und das ist eine Droge. Deshalb ist der Zusatz von echtem Waldmeister bei Süßigkeiten und Limonaden verboten. Nur beim Bier geht es noch, da das Kinder ja selten trinken. Genever.

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