Donnerstag, 22. Dezember 2016

S75 – Großes Weihnachtsspezial 2016 – Auf der Suche nach dem Stern zu Bethlehem




Eines kann ich gewiß ausschließen: hier im nächsten Jahr noch ein Weihnachtsspezial zu finden. So ganz langsam geht es auch darum, sich von diesem Blog zu verabschieden, der mich schon seit über vier Jahren begleitet. ABER: es wird etwas anderes geben, versprochen. Aber zurück zum großen Weihnachtsspezial! Vor einiger Zeit war das Lemma „Sternkarte“ im Brockhaus, und ich habe es mir noch etwas verwahrt. Das paßt ganz gut zum Weihnachtsspezial, denn die hier sichtbare Sternkarte zeigt die Lage im November und Dezember. Irgendwie ist im Herbst und Winter sowieso mehr am Himmel los, finde ich.

Und heute erzähle ich die Geschichte vom Stern von Bethlehem. Bekanntlich hatten die Heiligen Drei Könige nicht die geringste Ahnung, wo das Jesuskind zu finden war. Aber bevor es los geht, erst einmal eine große Abschweifung.

Es ist eine Täuschung, von vielen Dingen vieles können zu müssen. Um zu reüssieren, braucht man eigentlich nur eine Sache aus dem jeweiligen Bereich können. Die aber richtig gut. Man braucht nur einen einzigen guten Witz, ein einziges gutes Schmorbratenrezept, einen guten Kartentrick und nur ein Sternbild zu kennen. Aber ein gutes Sternbild, und nicht so etwas Langweiliges wie den Großen Wagen oder Cassiopeia. Es muß etwas Besonderes sein. Sozusagen euer zukünftiger Sternbildschmorbraten. Und das sind die Plejaden. Es ist ein sehr kleines Sternbild, nur ungefähr so groß wie der Mond. Das gibt aber euch Gelegenheit, beim Strandspaziergang den Hand um sie oder um ihn zu legen, wenn ihr auf die Plejaden deutet: „Du schau mal, da oben, die Plejaden!“ „Oh, wo denn?“ „Warte, ich zeige sie dir gerade!“ Und dann beim nächsten Rendevouz zuhause einen Schmorbraten auf den Tisch. Dann läuft das!

Und so findet Ihr die Plejaden:

  1. Orion ist wohl am leichtesten zu finden: ein riesiges Diabolo mit den drei Gürtelsternen.
  2. Links darüber sind die Zwillinge, ein sehr regelmäßiges Rechteck (mit der breiten Seite waagrecht)
  3. Ihr schaut aber in die Richtung der Gürtelsterne des Orion nach rechts oben. Dort ist ein etwas unauffälliges Sternbild. Das ist der Stier. Tatsächlich sieht es tatsächlich aus wie ein Stierkopf mit Hörnern (die nach links zeigen). In der Mitte, sozusagen an der Stierstirn, sind einige hellere Sterne, das sind die Hyaden.
  4. Und jetzt noch ein klein wenig nach oben, dann habt ihr sie, die Plejaden. Meistens sieht man sieben Sterne, und manchmal müßt ihr die Augen zusammenkneifen. Pleione (ganz links) ist etwas schwächer. Auf Schiffen wurden potenzielle Ausgucke gefragt, wie viele Sterne sie sehen. Ab sechs Sterne war man dann im Geschäft. Maestlin, der Lehrer Keplers, behauptete, 11 mit bloßem Auge zu sehen. Angeber.

Nehmt vielleicht ein Fernglas mit. Der Eindruck ist wirklich überwältigend. Es ist, als würde dort am Himmel ein kleiner Tannenbaum stehen mit Weihnachtskugeln. Es ist das schönste Sternbild nicht nur der Welt, sondern des Universums!

Einschub. Und was passiert dann? Julia besucht mich, mit den Kindern. Sie bastelt wunderbare Lampen und kooperiert mt dem Beleuchtungskonzern „Licht und mehr Licht“. Sie hat mir eine Plejadenlampe gebaut. Also das Sternbild auf der Lampe, das sind die Plejaden. Und das Mäxchen hat mir einen schönen Weihnachtsbrief geschrieben. Wie wunderbar!
 

Plejadenlampe


Als ich mich mal nebenbei für Astronomie interessierte, konnte ich mir das nach dem Umzug nach Berlin komplett abschminken. Selbst mit einem Teleskop sieht man hier nüscht, weil Berlin von unten den ganzen Sternenhimmel wegleuchtet. Berliner Kinder, die den Nachthimmel zeichnen sollen, malen den Mond und zwei, drei Sterne. Wenn es gut läuft. Sonst einfach nur schwarzer Edding. Eine handvoll Nächte in meinem Leben habe ich einen WIRKLICH GROSSEN Sternenhimmel gesehen, wenn man versteht, warum die Milchstraße eigentlich Milstraße heißt. Es gibt, denke nichts, kaum etwas Schöneres auf der Welt. Ich hatte dann sogar ein kleines Teleskop von Tchibo, wie auf der zweiten Abbildung, nur etwas – äh – kleiner. 


Aber nun endlich zurück zum Stern zu Bethlehem. Die Heiligen Drei Könige reiten also auf ihren Kamelen westwärts (sie kommen ja aus dem Morgenland) auf den Stern zu Bethlehem zu. Aber was ist dieser Stern? Er war ja nicht immer da, denn es heißt: „Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“

In den 2000 Jahren danach hat man alles mögliche Astronomische ausgemacht, um den Stern zu Bethlehem zu identifizieren. Es gibt folgenden Haupttheorien:

Kometentheorien. Danach wär der Stern ein Komet. Der bekannteste Vertreter ist natürlich der Halleysche Komet. Problem: Es paßt zeitlich nicht: er war ca. 12 v. Chr. sichtbar. Jesus ist ja verblüffenderweise v. Chr. Geboren worden, aber vermutlich 7 bis 4 v.Chr. Schade. Eigentlich wäre das meine Lieblingstheorie. Kometen sind richtig fett am Himmel. Erinnert ihr euch noch an Hale-Bopp?

Konjunktionstheorien. Eine Konjunktion, wenn Planeten eng zusammenstehen. Für Astronomiespastis: der komplette Sternenhimmel dreht sich langsam um den Nordstern, weil uns darunter wegdrehen. Die Ausnahme sind die Planeten, die ebenfalls darübersausen. Ok, vielleicht ist „Sausen“ leicht übertrieben. Aber sie sind schnell. Und hell. Venus, Jupiter, Saturn. Mit dem Fernglas könnt ihr die Jupitermonde sehen. Und mit einem Mini-Teleskop die Saturnringe. Sie sind schön, unsere planetarischen Begleiter. Sie sind wie Kumpel aus der Schule, von denen man irgendwann weiß: die wird man nicht mehr los. So, und für das Jahr 5 v. Chr. (was falsch war) datierte Kepler eine Konjunktion von Saturn und Jupiter. Allerdings standen die beiden nicht so eng beieinander, daß sie zu einem einzigen Stern verschmolzen.


Supernovatheorie. Es wird fernerhin die Meinung vertreten, der Stern zu Bethlehem sei eine Supernova gewesen, und zwar im Haar der Berenike. Allerdings glühen Supernovae sehr lange nach, und man hat in der Gegend keine Anzeichen gefunden.

Horoskoptheorie. Schließlich glaubt man, es könnte auch eine astrologische Konstellation sein, denen die drei Weisen nachgegangen sind. Und zwar handelt es sich um eine Konstellation vom 17. April im Jahre 6, der heliakische Aufgang von Jupiter im Widder und eine sog. „Exaltierung“ der Venus. Nun ja. Das ist meiner Meinung nach schon sehr arg weit hergeholt.

So,  und was ist jetzt richtig? Ich weiß es nicht. Heute ist der Abend des 20. Dezember 2016, ich war am Breitscheidplatz, und habe dort geheult. Ich möchte nicht, daß weiter dieser Haß ist. Ich will es einfach nicht mehr. Scheißegal, ob in Berlin, New York, Aleppo oder Mossul. Nicht mehr hassen. Ganz einfach. Ich wollte eigentlich jetzt noch etwas Abrundendes zum Weihnachtsstern schreiben. Das klappt aber nicht. Ich krieg die Moral vom Weihnachtsstern einfach nicht hin. Entschuldigt. So ist das eben gerade auf dieser Welt. Frohe Weihnachten für euch.





1 Kommentar:

  1. Frohe Weihnachten �� zurück, ich danke für den Sternenhimmelkurs. ✨ Und dass die Welt eine friedlichere werden möge ...
    Elfe

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