Freitag, 17. Juni 2016

S25 – Schlitten, Schlittschuh



Schlitten. Ich komme soeben vom Badesee wieder, das paßt dieses Lemma natürlich hervorragend. Immerhin sind am See überall Schilder angebracht: DIE EISFLÄCHE NICHT BETRETEN, obwohl es nicht einmal in diesem Winter eine Eisfläche gegeben hat. Man sollte mal eine Sammlung anlegen „Vergebliche Schilder“, damit die armen Schilder wenigstens ein bißchen Bestätigung bekommen (meine Güte. Ich habe Mitleid mit Schildern. Ich sollte mir Sorgen machen). - Wir hatten damals in Dortmund einen Schlitten, der eigentlich genau so aussah wie der in der Abbildung, allerdings das etwas kürzere Modell mit zwei Streben. Ich bin sehr sicher, daß „Davos“ draufgestanden ist. – Ich habe mich jetzt einmal schlau gemacht: der Davoser Schlitten ist eine Herkunftsmarke wie Schwarzwälder Kirschtorte. Es gibt halt viele verschiedene Hersteller, die dann „Davos“ auf ihre Schlitten brennen. Der hier abgebildetet Schlitten scheint aber auch eher der etwas kompaktere Aroser Schlitten zu sein. Unsere Gegend war recht bergig und deshalb hatten wir ganz gute Möglichkeiten zum Rodeln. Am coolsten war natürlich immer die Schlittenkette, wobei es dem hinten angebundenen Schlitten krass übel ergehen kann, wenn er ins Trudeln kommt. Da hat man keine Chance, sich darauf zu halten, da geht es in den Schnee. Wofür ich auch zu ängstlich war, ist das skeletonartige Schlittenfahren auf dem Bauch. Ich hatte einfach Angst, auf die Nase zu fliegen. Legendär sind die Skeletonrennen in St. Moritz, insbesondere der Cresta Run. Englische Gentlemen dominieren hier noch heute, es wird englisch auf der Strecke gesprochen, und wenn man so schnell ist, daß man in der berüchtigsten Kurve herausfliegt, dann wird man Mitglied im „Shuttlecock Club“ -und bekommt dafür eine Krawatte. Die Spitzengeschwindigkeiten betragen 140 km/h. Auf dem Bauch, ein paar Zentimeter vom Eis entfernt.



Schlittschuh. Ich habe das nie kapiert, ich kapiere es nicht und werde es nie kapieren: wie die Sprünge beim Eiskunstlauf sind. Es gibt Salchow, Toeloop, Rittberger, Flip, Lutz und Axel. Der einzige Sprung, der vorwärts abgesprungen wird, ist der Axel. Beim Rittberger sind beide Füße auf dem Eis. Die anderen Sprünge sehen komplett gleich aus. Der einzige Unterschied zwischen Flip und Lutz besteht darin, daß der Flip von der Einwärtskante des Schlittschuhs, der Lutz von der Auswärtskante gesprungen wird. Leute! Wer kann das denn sehen! Ich gucke das eigentlich nie, außer bei Olympia, weil dort die Finals die dramaturgische Fallhöhe einer Wagneroper haben. Was für Dramen! Und was für Zicken (weiblich UND männlich)! Und dann trainieren sie vier Jahre lang, setzen zu einem dieser Sprünge an und – fliegen auf den Hintern und alles ist in einer Zehntelsekunde vorbei. Oder noch ärger: googelt besser nicht Olga Prokuronova und Karel Stefl bei den Europameisterschaften 2006. Aua, aua, aua. Die arme Olga Prokuronova (sie blieb erstaunlicherweise unverletzt) macht ja alles richtig bei der Figur. Sie hat übrigens nachher die Partnerschaft mit Stefl aufgelöst. Äh, klar.



Und natürlich auch die Erinnerung an einen Freund, den wir an einem Sonntag im Winter an den Plötzensee gefahren haben. Es fing an zu schneien, und Steffi hatte Heidelbeertee mitgebracht. Eine Gruppe Kinder spielte Eishockey. Unser Freund war lange nicht mehr eisgelaufen. Und er wollte unbedingt einen Toeloop springen. Und ich sage euch: er hat es auch geschafft.

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