Freitag, 11. März 2016

R26 – Robben, Röhren etc.




Robben. Endlich habe ich das mal ausführlich nachgeschaut. Es war mir vorher im Kopf ein riesiges Durcheinander aus Robben, Robben-Babies See-Elefant, See-Löwe, See-Hund und See-Katze. Bis vor kurzer Zeit nahm man an, die Robben seien polyphylektisch: also wir würden sie nur alle als Robben ansehen, weil sie alle wie Robben aussehen. In Wirklichkeit seien bei einem Teil Otter die Vorfahren, bei anderen wären es Bären. Mittlerweile ist man darauf gekommen, dass Robben „Hundeartige“ sind. Darauf hätte man echt früher kommen können, finde ich. Ich meine – guckt sie euch doch mal an. Es sind Hunde, nur eben ohne Füße. Und ohne Schwanz zum Wedeln, warum sollte man auch unter Wasser wedeln? In freier Wildbahn habe ich einen Seehund vor einem halben Jahr noch gesehen. Er war ganz nah an den Strand geschwommen, um sich mal die Menschenartigen anzugucken.



Sprachrohr. Man kennt sogar ihren Erfinder: es war der Engländer Samuel Morland im Jahr 1670. Die ideale Form eines Sprachrohrs ist allerdings eine Hyperbel, worauf der Franzose Cassegrain als erster kam. Das erste einsatzfähige elektrische Megaphon gab es übrigens erst 1954, also zwei Jahre nach dem Brockhaus-Blog. Das Megaphon war übrigens entscheidend für die Effizienz beim Drehen von Spielfilmen: der Regisseur Cecil deMille verwendete es schon 1956 für Die Zehn Gebote.



Röhre. Bis zur Erfindung des Transistors war eine Röhre das einzige aktive Bauelement. Also ein Bauelement, das nicht stumpf auf die Platine gelötet war, sondern auf unterschiedlichen Input unterschiedlich reagierte. Mein Vater war ja Funkamateur und sammelte in den Jahrzehnten hunderte solcher Röhren. Später hat er sich sogar auf Flohmärkten verkauft. Hier steht sogar ein Röhrenhandbuch herum. Ich kopiere mal eine Anzeige daraus.



Telefunken war ganz fett bei den Röhren im Geschäft. Überhaupt so ein wunderbares Unternehmen. Es wurde 1903 in Berlin auf Initiative von Kaiser Wilhelm von den Streithähnen AEG und Siemens gegründet. Telefunken hat das Radar miterfunden, den Farbfernseher und übrigens auch den Blitzer. 1967 kassierte sich dann die AEG die komplette Firma ein, ging aber dann selbst 1982 Pleite. Diverse Tochterfirmen schleppten sich durch die Jahrzehnte. Einige Namensrechte sind bis heute vergeben, aber haben nichts mehr mit Telefunken zu tun. Die letzte Telefunken-Telefunken-Firma war eine Halbleiterfirma und hauchte sich tatsächlich erst im Februar 2015 aus. Ich habe nicht herausfinden können, wann mit den Röhren Schluß war, aber vermutlich wurde das Geschäft Mitte der Achtziger verkauft. Sie liegen auf dem Firmenfriedhof wahrscheinlich neben Aristo und Nestler Rechenschieber.

Rohr. Lichtenberg schrieb, alles Wichtige dieser Welt geschehe durch Röhren - zum Beispiel Zeugungsglied, Schreibfeder und Schießgewehr. Die Tastatur paßt da allerdings nicht mehr hinein.

Rohrkolben. In den Siebzigern war ein heißer Scheiß, solche Rohrkolben in einen überdimensionale Vase zu stecken. Das sah blöd aus, war aber damals schick. Arg war nur, wenn man das Teil zum Platzen brachte. Es ist unglaublich, wie viel von dem Zeug in so einem kleinen Teil steckt, wie schnell es sich im Wohnzimmer verteilt und wie fies es aus dem Teppich gepopelt werden muß. Ich glaube, das war auch einer der Gründe, warum die steile Wohnzimmerkarriere des Rohrkolbens ziemlich schnell beendet war.


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