Freitag, 4. März 2016

R19 - Relais, Reliquar etc.





Relais. Das Stockwerkrelais führt zu verwirrenden Google-Funden: keineswegs handelt es sich um ein Bauteil aus der Aufzugstechnik, sondern um ein sog. Schütz-Relais für Starkstrom. Das dargestellte Kipprelais hat nicht zufällig Beschriftungen wie „Ortskreis“ und „Fernleitung“. Das gehört alles zur elektromechanischen Vermittlung, die der manuellen Vermittlung mit den Frolleins vom Amt nachfolgte. Hier war es dann das Relais vom Amt, das die Verbindung herstellte, wobei dann jeder Teilnehmer ein eigenes Relais im Schaltschrank hatte. Sie knistern so schön, diese elektromechanischen Relais.



Reliquiar. Reliquiare sind sozusagen Relais ins Himmelreich. Die Schaltung erfolgt durch Knochen und Krempel, der einmal Heiligen gehörte. Es gibt übrigens drei Klassen von Reliquien: Reliquien erster Klasse sind alle Körperteile von Heiligen, und wenn sie verbrannt wurden, auch die Asche. Reliquien zweiter Klasse sind Gegenstände, die Heilige angefaßt haben. Reliquien dritter Klasse sind wiederum Gegenstände, die Reliquien zweiter Klasse berührt haben. Ich glaube, ich erfinde mal Reliquien vierter Klasse (das sind Gegenstände, die durch ihr Versteigertwerden bei Ebay sich heiligen). Außerhalb dieser Klassifizierung gibt es die sog. biblischen Reliquien, das sind v.a. Gegenstände, die mit Jesus in Verbindung gebracht werden, wie Kreuzsplitter, die heilige Lanze, Dornen aus der Dornenkrone und auch Jesus Sandalen. Ja, die gibt es tatsächlich. Sie sind im Kloster Prüm zu besichtigen. Aber eigentlich sind es nicht Sandalen, sondern Pantoffeln aus der Merowingerzeit, in die man Partikel der Jesussandalen eingenäht hat. Ich könnte auch Laufschuhe auf Ebay versteigern, in die ich Partikel eines Laufschuhs von Usain Bolt einnähe. Mittlerweile gibt es übrigens schon drei Blutreliquien von Expapst Johannes Paul II. (Tendenz steigend). Immerhin nicht seine Vorhaut: die Heilige Vorhaut soll angeblich der einzige Teil Jesu sein, der nicht in den Himmel aufgestiegen ist, wenn nicht noch ein Nasenpopel entdeckt wird. Sie taucht im Jahr 800 zum ersten Mal auf (vorher war sie in der Kühltruhe), als Karl der Große sie Papst Leo III. schenkte. Sie ruhte mehr als 700 Jahre im Vatikan, bis ein Soldat sie 1527 klaute. Der Soldat wurde in einem Ort im italienischen Calcata festgenommen, aber konnte die Vorhaut in der Zelle verstecken. Als man die Zelle dreißig Jahre später wieder einmal putzte, fand man die Vorhaut wieder und behielt sie dann gleich in der Kirche Santissimo Nome di Gesù in Calcata. Dort wurde sie auch bis 1983 regelmäßig bei Prozessionen vorgezeigt. Danach nicht mehr, denn sie ist wieder verschwunden. Futsch. Und reiht sich damit in die vielen verklüngelten Gegenstände ein, die wir hier im Brockhaus-Blog schon bedauerten (irische Kronjuwelen, heilige Lanze, österreichische Kaiserkrone, Blutfahne etc. etc.) Mit der Vorhaut Jesu ist es aber natürlich etwas Besonderes: wenn man sie wiederfinden würde, könnte man ja heutzutage leicht die DNA extrahieren. Und dann Jesus klonen. In der Weihnachtsnacht kommt er dann zur Welt!



Renntier. Das ist natürlich lustig, denn Rentier kommt von altnorwegisch Ren=Horn und nicht, weil das Tier so viel herumrennt. Rentiere sind außergewöhnlich gesellig: die größte jemals bekannte Herde umfaßte ca. 900.000 Tiere. Das ist die Einwohnerzahl von Köln (die ja ähnlich gesellig sind). Auf den britischen Inseln sind sie vor ca. 10.000 Jahren ausgestorben, allerdings wurden 1952 insgesamt 29 Tiere ausgewildert. Immerhin: es sind schon 130 mittlerweile. Außerdem haben sie ja den Job, den Schlitten des Weihnachtsmannes zu ziehen, was wiederum den Bogen zum vorherigen Abschnitt schlägt. Die acht Rentiere des Weihnachtsmanns heißen übrigens Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Dunder und Blixem. Der rotnasige Rudolph ist die Erfindung eines Chicagoer Kaufhauses. Seitdem ist Rudolph das neunte der acht Rentiere (so ähnlich wie der vierte der Drei Musketiere).

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