Freitag, 22. Januar 2016

R31 - Rundfunk




Ich ziehe R31 Rundfunk einmal vor, da ich erst jetzt (Mitte Januar 2016) lese, daß am Silvestertag letzten Jahres der Deutschlandfunk seinen Mittelwellesender abgeschaltet hat. Das habe ich öfter noch im Auto gehört, wenn der Empfang schlecht war, 549 kHz. Es war übrigens der letzte deutschsprachige Mittelwellensender. Das ist sehr, sehr traurig. Wir werden bald mit Funktechnik in unseren Smartphones bezahlen, aber die Mittelwelle wird abmontiert. UKW hatte natürlich den Vorteil, daß die Klangqualität viel besser war und man die Lieder von der Schlagerrallye (Samstags) oder Mal Sondock (Mittwochs) auf WDR 2 jeweils ab kurz nach sieben auf Cassette aufnehmen konnte. Ich bin mir nicht mehr sicher: 94,1 MHz? Es sollte mal einmal ein Frequenzmuseum geben, und das ist übrigens auch eine Sache, die man nicht im Internet findet (bzw. ich nicht im Internet gefunden habe). Dafür habe ich noch einen ganzen Haufen von Mal Sondocks Hitparaden als Audio, wenn das hier ein Nordrheinwestfale interessant findet (Mail). - Das Wort „Rundfunk“ ist nicht einmal hundert Jahre alt: Hans Bredow prägte es in einem Vortrag im Jahr 1921. Regelmäßige Sendungen gab es ab 1923. Der Rundfunk war also 29 Jahre alt, als der Brockhaus erschien. Das Internet (bzw. WWW) wird 25 Jahre alt sein, wenn dieser kleine Blogbeitrag erscheint. Rundfunk war also zu Brockhauszeiten genau frisch wie heute das Internet für uns. Unsere (Ur-) Großväter haben also noch eine radiofreie Zeit erlebt, genau so wie wahrscheinlich die meisten Leser hier eine internetfreie Vergangenheit noch kennen. Für die Kinder heute hingegen war Internet schon immer da wie für uns Radio (und Fernsehen). – Ich halte es auch für eine Fehlentscheidung, das Fernsehen damals mit Ton auszurüsten und es damit zu einem Meta-Radio zu machen. Wie interessant wäre Fernsehen, wenn es keinen Ton hätte! Dschungelcamp in einer Stummfilmfassung, mit ein paar Untertiteln („Die Dinosaurier haben viel Scheiße gebaut“), und der Rest müßte szenisch und mimisch umgesetzt werden. - Der hier abgebildete Superheterodyne-Empfänger (oder kurz Super) funktioniert so: das Signal kommt von der Antenne und wird mit weiteren Frequenzen eines abstimmbaren Oszillators gemischt bzw. überlagert (deshalb: super…) Nach der Bandfilterröhre erfolgt eine Filterung auf die Zwischenfrequenz (ZF). Der Vorteil liegt darin, daß alle nachfolgenden Bauteile auf diese ZF abgestimmt werden können. Dann kommt die Demodulation, also die Rückverwandlung in Sprache und Musik sowie die Verstärkung für den Lautsprecher. Das funktioniert gleich gut mit Wollt Ihr den totalen Krieg von Goebbels und Grief built the Taj Mahal von Prefab Sprout. - Als Kind habe ich besonders das magische Auge gemocht, die grün leuchtende Anzeige, ob man den Sender gut oder schlecht reinbekommen hatte. Das ist übrigens nur eine Röhre mit einer leuchtenden Beschichtung. Ich hielt damals die neueren Radios ohne magisches Auge für einen technischen Rückschritt. Übrigens kann man diverse magische Augenröhren auch heute noch neu kaufen. Aber, ach- was nützt es denn, wenn es keine Mittelwelle mehr gibt!




Nachtrag: Verlustliste 2016: 1. David Bowie 2. Mittelwelle 3. Meine gläserne Zitronenpresse (runtergefallen)

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