Freitag, 15. Januar 2016

R04 – Rasierer, Rastral




Rasierer. Verflixt, jetzt hatte ich meine Anekdote über Schamhaarrasieren in einer Klinik schon bei K49 – Krankenhaus verjazzt. Dabei hätte es hier doch viel besser gepaßt. - Ich bin in einem Elektrorasiererhaushalt aufgewachsen. Der ist erst in der Ausgabe von 1974 vorhanden. Elektrische Rasierer begannen sich erst nach dem zweiten Weltkrieg langsam auszubreiten, das elektrische Zeitalter fing sehr behutsam an. Mein Vater hatte zunächst nur BRAUN-Rasierer, von denen er regelmäßig neue Modelle kaufte. Ich habe dann wahrscheinlich einen ausgedienten BRAUN Sixtant 6006 bekommen, um mir die allerersten hühnerfederweichen Flusen aus dem Gesicht zu schneiden. Deswegen war Naßrasur für mich immer etwas Cooles. Ich kannte es ja auch nicht von zuhause. Nicht wirkungslos blieb auch der legendäre Gillette-Spot, in dem sehr erwachsene Oberschichtmänner, Börsenmakler und sogar Astronauten ihren Söhnen die Naßrasur beibrachten: Für das Beste im Mann. Dabei denke ich mir heute: Astronauten? Mit einem Naßrasierer ins Weltall? Glaube ich nicht. Die hatten einen Rechenschieber (R08) und einen Braun Sixtant 6006 im Gepäck, ganz sicher. Ich bin jedenfalls bei der Naßrasur geblieben. Geht schneller und ist glatter, und wie heißt es bei Gillette: „Man siehts dir an, du hast es weit gebracht.“ - Ich vermute auch sehr stark, daß die Weitergabe einer Elektrorasierertradition bei den ganzen alleinerziehenden Müttern ohnehin gefährdet ist. Die Jungs von heute werden mit einem abgelegten Philips Ladyshave rasiertechnisch entjungfert. – Noch ein kleines Detail: es heißt hier der Rasierkrem, in der Ausgabe von 1974 der (die) Rasierkrem, also ein Wechsel des grammatischen Genus. Das ist ganz schön kompliziert, übrigens. Deutsch ist übrigens da ein Sonderfall, weil es Maskulinum, Femininum und Neutrum gibt. Das ist keinesfalls selbstverständlich. Im Swahili hat das Genus überhaupt nichts mit Geschlechtern zu tun. Im Schwedischen gibt es kein Neutrum, sondern das Utrum, was nicht neutral, sondern beides ist. Feminin ist aber auch im Deutschen nicht immer weiblich, da fragt mal das Mädchen.




Rastral. Ich denke einmal, ungefähr 90% oder 95% meiner Leser haben – wie ich bis eben – nicht den leisesten Schimmer, was ein Rastral ist. Kratzt man sich damit den Rücken nein? Ist es eventuell ein chirurgisches Instrument mit superekliger Funktion? Auch nicht. Das Rastral ist ein Instrument, um Notenlinien in eine Stichplatte für den Druck zu ritzen. Die Noten werden dann anschließend mit Stempeln eingehämmert. Im Prinzip sieht das Ding aus wie eine fünfzackige Harke. Eine Variante gibt es mit fünf Schreibfedern, die dann auf Papier fünf Linien ziehen. Und es gibt tatsächlich einen Terminus im Englischen, der die Beschäftigung mit Geschichte und Praxis des Rastrals beschreibt. Und dieser Begriff ist: Rastrology, was natürlich sehr lustig ist.

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