Freitag, 4. September 2015

P03 - Pantoffel, Papagei






Pantoffel. Ganz erstaunlich, mit welcher Inbrunst der Brockhaus den Pantoffel illustriert. Gleich sieben Ausführungen, darunter auch der Holzschuh. Ich habe mal in Holland probiert, damit zu gehen, aber das geht wirklich überhaupt nicht. Das Abrollverhalten des Holzschuhs ist  unterdurchschnittlich bzw. nicht vorhanden. Und ja, ich trage auch Pantoffeln zuhause. In wilden und abenteuerlichen Zeiten war es mir eher peinlich, da flogen sie unter das Bett und dann schnell Chucks angezogen. Aber ansonsten überwiegen die Pantoffelvorteile den potenziellen Distinktionsverlust bei weitem. Erfunden wurden sie angeblich im 2. Jahrhundert. Jesus hatte also zuhause definitiv keine Pantoffeln, sondern Jesuslatschen an. Fanatische Pantoffelbenutzer sind die Japaner. Sie haben sogar Extrapantoffeln für die Toilette. Da fällt mir etwas ein, das die liebe Susann Pasztor in ihrem übrigens hervorragenden Roman „Die einen sagen Liebe, die anderen sagen gar nichts“ berichtet: die Japaner haben auf ihren Toiletten, den dünnen Wänden geschuldet, einen Apparat, mit dem man die Pipimachgeräusche durch Pseudorauschen übertönen kann. Am schönsten ist die Bezeichnung für diesen Apparat: es ist eine „Geräuschprinzessin“. – Zurück zu Pantoffeln. Auf der Wikipedia steht unter dem Lemma „Hausschuhe“ ein bizarrer Satz: „Wer viel Zeit in Hausschuhen verbringt, sollte zwei Paar besitzen und abwechselnd tragen. So ist gewährleistet, dass ein Paar immer auslüften kann, während das andere getragen wird.“ Hey, Wikipedia, warum nicht DREI Paar? Dann können ZWEI auslüften!



Papagei. Das dtv-Etymologie-Lexikon vermerkt unter Papagei als wahrscheinlichste Herkunft das arabische „Babbaga“. Klitzekleiner Haken: es gibt in Arabien keine Papageien. Schlußfolgerung: man weiß es mal wieder nicht, sondern vermutet mal wieder wild durch den Dschungel. Die Gattung der Papageien zerfällt in die Kakadus und in die Eigentliche Papageien, genau so wie die deutschen Fußballvereine in RB Leipzig und Eigentliche Fußballvereine zerfallen. Das ist alles hochinteressant. Zum Beispiel das erste Papageienfossil. Es hat den schönen Namen Moppsita Tanta und wurde gefunden in – Dänemark. Vielleicht kommt Papagei ja aus Dänischen, ihr Etymologen? Papegøje heißt er dort. Für mich eine klare etymologische Kiste. – Ich lese gerade nach, dass eine Ornithologin mit dem schönen papageiigen Namen Irene Pepperberg ihrem Graupapagei Alex nicht nur das Sprechen beibrachte, sondern er konnte ganze Sätze bilden, bis sieben zählen, sich entschuldigen und hatte einen Wortschatz von ungefähr 500 Wörtern. Oh, damit wäre er vielen jungen Männern in ostdeutschen Großstädten deutlich überlegen. – Zum Abschluß noch etwas eher Trauriges. Der französische Schriftsteller Chateaubriand schrieb Anfang des 19. Jahrhunderts: „Ganze Völker am Orinoko sind erloschen; von ihren Dialekten blieb nur ein Dutzend Wörter übrig, die von den Baumwipfeln herunter aus den Schnäbeln freigelassener Papageien zu hören waren.“ (Nach Barthes, Erfindung des Romans S. 435). Was für ein trauriger Gedanke, wenn von einer Sprache nichts mehr bliebe als ein paar Papageienworte.

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