Freitag, 17. Juli 2015

M25 - Morsezeichen




Morsezeichen. Mein Vater hat mir sogar mal eine Morsetaste geschenkt, mit einem kleinen Verstärker und Kopfhörer, damit ich mich zumorsen könnte. Ich dachte, ich würde das geschwind lernen, aber ich bin nicht deutlich über d hinausgekommen. „Bad“, das könnte ich morsen: − • • • • − − • Und natürlich SOS, aber das konnte ja jeder. Was ich nicht wußte: es gibt Merkworte für den Code, mit jeweils kurzen und langen Silben, und damit man sich das auch merken kann, fangen die Merkwörter mit dem gemeinten Buchstaben auch an. L ist zum Beispiel Limonade, V ist Ventilator und H ist Hausbesitzer. Wenn ich das gewußt hätte, damals! Aber so richtig funktioniert das auch nicht, finde ich, oder sagt ihr Ventila-toooor oder Limoooonade?– Es gibt ja die Legende, die Titanic sei das erste Schiff gewesen, dass SOS gefunkt hätte. Stimmt nicht. Es war die RMS Slavonia im Jahre 1909, die vor den Azoren capitanoschettinomäßig auf ein Riff auflief. Dann funken sie ein bißchen SOS. Passagiere und Mannschaft wurden von anderen Schiffen aufgenommen. Null Todesopfer. - Erfunden haben das SOS übrigens die Deutschen. Es bedeutet deshalb auch nicht „Save Our Souls“ oder „Save Our Ship“, sondern „Scheiße oder sowas“ (das habe ich mir zumindest so überlegt). So, und jetzt müßt ihr sehr stark sein. Was ich nicht wußte, und ihr wahrscheinlich auch nicht: SOS wurde abgeschafft, und zwar schon 1999. Das hat mir noch nie jemand gesagt. Wenn ich jetzt in Seenot geraten wäre, hätte ich unverzagt SOS gefunkt und geblinkt. Wahrscheinlich hätte man mir dann geantwortet: „Wenn Sie einen Kundenberater sprechen möchten, drücken Sie bitte die 1.“ Nach wie vor benutzt wird übrigens „Mayday“. Aber das ist natürlich höllisch kompliziert zu morsen. Das Merkwort für Y ist übrigens Yoshimoto. Das ist alles lebensrettendes Wissen! - Übrigens hat das @ im Jahr 2004 auch einen Morsecode bekommen: • − − • − • Warum man sich eine Email-Adresse morsen sollte, wenn man sie sich auch simsen oder whatsappen könnte? Fragt nicht! - Die Geschwindigkeit beim Morsen wird in Wörter pro Minute (WPM) gemessen. Weltrekordhalter ist der Russe mit 88 WPM, das sind 440 Buchstaben pro Minute. Das ist etwas weniger als die deutsche Meisterin – im Maschineschreiben. – Und noch etwas Interessantes: könnt ihr euch noch an den alten Wählton erinnern? Er galt bis 1979 in Westdeutschland und bis 1989 im Osten und klang so: döt-döööt. Kurz-lang also, und das bedeutet nämlich: A wie Amt. – Noch eine weitere Spur der Morsezeichen: könnt ihr euch an die Morsezeichen entsinnen, die am Ende der Wettervorhersage der Tagesschau gesendet wurden? Als Kind dachte ich immer, die gerade vorgelesene Windrichtung (mit Windrose) würde jetzt noch einmal gemorst, weil der TV-Empfang auf hoher See nicht ideal sei, aber so ein Morsezeichen, das würden sie da draußen immer noch hören können, unsere tapferen Seefunker, auch bei schlechten Ausbreitungsbedingungen. Blödsinn. Dann fiel mir auf, daß die Morsezeichen immer gleich waren. Aber der Wind war ja nicht immer gleich. Also, so vermutete ich wild ins 20 Uhr 15 hinein, müßten das die Morsezeichen für N, O, S, W sein, für die Himmelrichtungen, weil die ja auch auf der Karte zu sehen waren. So eine Art Signal zum Eichen von Funkgeräten.

Tagesschau-Wetterkarte mit Windrose, 1974 (Quelle: youtube, ARD)

 
Schwachsinn. Gemorst wurde das Zeichen QAM, ein internationales Kürzel für Wetterbericht. 


Daran sieht man auch mal wieder, wie doof wir in den Siebzigern waren. Ich hätte ja mal bei wikipedia gucken können, oder es googeln können. Auch eine der Fragen, die schon hunderttausendmal beantwortet wurden. Übrigens: die Tagesschau gibt es seit – genau, seit 1952, zweiter Weihnachtsfeiertag. Ungefähr 1.000 Leute konnten sich das damals anschauen. Zuerst hat man drei Sendungen pro Woche produziert. Mehr ist ja auch nicht passiert in der Welt.

Ach so, hier ist das Morsezeichen von 1974:


 

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