Freitag, 12. September 2014

K23 – Kerze, Kescher etc.




Kerze. Pro Kopf werden in Deutschland 1,3 kg Kerzen verbraucht. Nicht ganz einfach zu schätzen, aber ich glaube nicht, daß ich viel mehr als 500g anzünde. Einer von euch muß also mehr als 2kg verbrennen. – Die Geschichte der Kerze beginnt mit Talgkerzen, die fürchterlich stanken und rauchten. Dann machte man mit Honigwachs weiter, das roch schon mal besser. Ein anderes Problem war es, weiße Kerzen herzustellen. Die braucht man in Gottesdiensten, zu Ostern oder einfach-nur-so. Zuerst weißte man sie mit Arsen, dann stieg man auf Walrat als weißen Kerzengrundstoff um, das aber nun auch nicht unbeschränkt verfügbar war. Schließlich wurde dann 1830 das Paraffin als geruchs- und rauchfreie Lösung erfunden. Der Erfinder, Karl von Reichenbach, hatte ein buntes Leben. Seine Tante war Ludovike Simanowiz, eine der ganz wenigen Malerinnen jener Zeit und hervorragende Schiller-Porträtistin. Reichenbach selbst hatte als junger Mann eine Geheimgesellschaft gegründet zur Schaffung einer Kolonie auf Tahiti. Als diese Otaheiti-Gesellschaft schließlich aufflog, ging Reichenbach einige Jahre in den Knast. Er war ein hervorragender Meteoritensammler und glaubte an Od, das ist eine Lebenskraft, die vom Lieben Gott kommt. Od ist auch dafür verantwortlich, daß Jesus nicht nur über Wasser gehen konnte, sondern es auch in Wein verwandeln konnte. Reichenbach glaubte ferner, besonders beseelte Menschen könnten Magnete leuchten sehen. Reichenbach gehört ab heute in die Brockhaus-Ehrenreihe, damit nicht nur Halunken wie Wilmenrod (A16) oder van Megeren (D5) hier die Texte bevölkern, sondern auch Leute, die richtig was drauf hatten und auch etwas gefunden haben. Auch wenn es Zufall war, wie bei unserem Freund Reichenbach, den eigentlich schmierte er gerade nur mit Holzteer herum, als er das Paraffin entdeckte. - Jedenfalls sind seitdem unsere Kerzen aus Paraffin, das weder raucht noch stinkt.



Kescher. Mein Vater hat früher auch geangelt, und ich mußte öfter mit. Ich fand es sterbenslangweilig. Noch nicht einmal unterhalten konnte man sich dabei, weil das die Fische vertreibt. Und eigentlich ist es sowieso nicht einzusehen, warum Tiere umbringen so einfach als Hobby und Sport durchgeht. An meinen Badeseen sehe ich öfter Angler. Sie sind durchweg unsympathisch. Sie haben immer Tarnhosen an und Reklamehüte von Baumärkten. Sie tragen Schnurrbärte und natürlich einen Kescher. Sie sehen aus wie ukrainisch-russische Separatisten. Und eigentlich hab ich noch nie gesehen, wie sie gerade was fangen. Sie sitzen nur doof da, lesen nicht und schweigen. Wer außerdem wissen will, wie Angler so drauf sind, möge mal Carponizer bei amazon suchen. Das ist der Erotische Karpfenkalender, ja so etwas gibt es wirklich. So sind Angler und Kescherbenutzer.



Kiefer. Mein Lieblingsschaumbad ist Herbacin Latschenkiefer. Wir hatten ja letzte Woche Inspirationsessen und Erinnerungslebensmittel, für mich ist es vor allem das Kiefernschaumbad. Wenn ich da hineinsteige, werde ich wieder zum Siebenjährigen, der am Samstagabend in die Badewanne steigt und einen Quartettkasten und  Plastiksoldaten zum Spielen mitnimmt. Nein, das mache ich heute nicht mehr. Wahrscheinlich ist im Kieferschaumbad auch das Od von Karl Reichenbach drin.



Kieke. Und ganz ganz kurz: eine Kieke ist Heizgerät für kalte Füße. In den Kasten kommt ein glühendes Brikett in einem Metallbottich. In der Schweiz hat das Teil den schönen Namen „Gluthund“.

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