Freitag, 29. August 2014

K14 – Kartusche, Karyatide etc.




Kartusche. Die Kartusche ist für mich ein Problemwort und ich habe die Gelegenheit genutzt, endlich mal klar Tisch zu machen zwischen Kartusche und mir. Also: die Geschoßkartusche ist die Hülse für die Treibladung des Geschosses, aber nicht das Geschoss selbst – das ist der Unterschied zur Patronenhülse. Das habe ich nicht gewußt. Die Kartusche als Zierrahmen ist im Unterschied zum Bilderrahmen nicht beweglich, sondern Bestandteil der Architektur. Das habe ich ebenfalls nicht gewußt. Im Barock gab es dann Kartuschen ohne Inhalt, aber mit kitschigen Schmuckstuck, der häßlicherweise „Knorpelwerk“ heißt. Jetzt ist alles gesagt zwischen der Kartusche und mir und wir schießen, knorpeln und gehen unseres Weges.



Karyatide. Ein weiterer Architekturbestandteil, aber diesmal mit einer echten Aufgabe: nämlich das nächste Stockwerk zu tragen. Ich war kürzlich in Wien und stellte fest, daß praktisch alle Gebäude dort karyatidiert sind. 100.000 Frauen aus Marmor tragen diese Stadt. (Ehrlicherweise muß ich ergänzen, daß es meiner reizenden Begleitung mit ihren guten Augen zuerst aufgefallen ist. Ungefähr die Hälfte hat sie fotografiert).



Käse. Meine Käsekindheit war recht schlicht (Gouda in Scheiben, Rotkäppchen, Harzer Käse), bis wir dann zum erstenmal Holland Urlaub machten. Dort gab es Käseläden! Genauer gesagt, Käse-Nuß-Läden, in denen sich der Käseduft mit Nuß-Rosinen mischte. Und es gab viel mehr Sorten Gouda! Jong, jong belegen, belegen, oud, overjarige. Und er schmeckte auch viel besser! Und man konnte Heinz Sandwich Spread draufschmieren, das es bei uns nicht einmal gab, eine Art Gewürzmayonnaise. So wurde ich ein Käsekind. Das ist gut gelaufen für mich.


Kasperle. Den Kasper gibt es erst seit Ende des 18. Jahrhunderts. Er hat – tatsächlich – den Hanswurst abgelöst. Vielleicht ist es jetzt mal an der Zeit wieder den Kasperle abzulösen. Aber wer kommt dann? Bushido? Ulihoeneß? Wowereit? Da kann man sich doch einigermaßen etwas vorstellen.



Kasse. Im Karyatidenland heißt das „Kassa“, was ich schön altmodisch finde. - Bei vielen Gegenständen aus dem Brockhaus fällt es übrigens zunehmend schwer, sich online kundig zu machen. Man ist meist auf Sammler angewiesen, das fällt dann mal leichter (z.B. Rechenschieber, dazu kommen wir noch), mal schwerer, wie bei den Registrierkassen. So habe ich nicht herausfinden können, was das Zahlbrett zählt und was auf der Prüfplatte geprüft wird. Erfinder der Kasse ist das amerikanische Unternehmen NCR, aber da stand doch früher ein anderer Name auf den Kassen – genau, ANKER. Die haben auch die Nähmaschine meiner Mutter hergestellt. Die Ankerwerke aus Bielefeld haben ein buntes Leben als Hersteller von Registrierkassen, Nähmaschinen, Fahrrädern und Motorrädern hinter sich, bis sie dann 1976 Konkurs anmeldeten, weil sie es nicht ins elektrische Zeitalter geschafft haben. Die Reste der Firma wanderten mehrmals durch verschiedene Konzerne und wurden immer weiter verdünnt, bis sie der Firma Micros landeten, die gerade von Oracle übernommen wird. Oracle wird also einige Atome Anker Registrierkassen in seinem Portfolio haben. Vielleicht fangen sie ja auch an, wieder Nähmaschinen zu bauen. Oracle Sewingbase, und SAP ärgert sich schwarz. Die deutsche Niederlassung ist nicht mehr in Bielefeld, sondern hier um die Ecke an meiner Schloßpark-Joggingstrecke. So fügt sich die Welt immer wieder unter meinen Augen zusammen. – Das hübsche Wort „Schauwerk“ für die Betragsanzeige bekommt ein Extrasternchen.

Kommentare:

  1. Ich glaube auf dem Zahlbrett (be)zahlte man und erhielt sein Wechselgeld. Heute heißt das Zahlteller oder Zahlschale und steht alleine auf dem Tresen.

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    1. Ja, das klingt nach einer guten Theorie. Das kleine Ding ist ja ganz oben links, damit der Kunde von der anderen Seite auch gut drankommt.

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