Freitag, 7. März 2014

H20 - Hexenring, Hirtentäschel etc.






Hitlerjunge. Bevor wir zu den Angelegenheiten von H20 kommen, werfen wir heute mal einen Blick in den Brockhaus von 1944. Statt des Hexenringes steht da ein Hitlerjunge, und um es mal genau zu sagen: ein reichlichzugetexteter Hitlerjunge. Ob das vielleicht ein illustrativer Akt der Subversion war? Alles nur Gelaber bei den Braunen? Darunter auch: das Fahrtenmesser als Hitlerjungenzubehör. Ich weiß noch genau, wie ich mich mal wieder mit meinem Vetter Reinhard über Messer unterhalten habe, als er mir sein neues Taschenmesser zeigte. Das sei ja ganz in Ordnung, meinte er, aber bald bekomme er ein Fahrtenmesser. Das habe sogar eine feste Klinge und sei viel größer. Ich war vielleicht acht Jahre alt, messerlos und abenteuerlustig. Ein Fahrtenmesser, das erschien mir doch als das Erstrebenswerteste am Älterwerden. Irgendwann würde ich ein Fahrtenmesser besitzen. Unklar war mir allerdings, warum es Fahrtenmesser hieß. Was hatte das denn mit Autofahren zu tun?
 

 




Hexenring. Das sind ringförmige Ansammlungen von Pilzen; jeder Hexenring ist ein einzelner Pilz-Organismus. Der größte jemals entdeckte Hexenring hatte einen Durchmesser von 150m. Auf einer Webseite mit den drei Themenfeldern „Thailand-Grenzwissenschaften-Bestattung“ lese ich nach, dass einem der führenden UFO-Spezialisten Deutschlands mit dem schönen Namen Hans-Werner Peiniger schon zweimal Hexenringe als UFO-Landeplätze gemeldet wurden. Herr Peiniger ist Vorsitzender der GEP e.V.: „gegr. 1972 – Ihr kompetenter Ansprechpartner für UFO-Forschung – mit über 40jähriger Erfahrung in der UFO-Sichtungsermittlung.“ Das ist eine sehr faszinierende Organisation: „Als GEP-Mitglied ist man in der UFO-Szene immer auf der richtigen Seite; bei uns wird Aufklärung groß geschrieben und der Verdummung ein Riegel vorgesetzt.“ Interessiert lese ich nach, dass es auch noch drei andere UFO-Vereinigungen in Deutschland gibt: die CENAP, die MUFON CES und die DEGUFO. Das werden wir aber mal im Auge behalten! – Natürlich haben die Hexenringe nichts mit UFOs zu tun, sondern sie markieren die Orte, wo Feen, Elfen und Hexen im Mondschein tanzen, im Falle des 150m breiten Hexenringes wohl ziemlich übergewichtige Feen, Elfen und Hexen. Weight Watcher Witches, oder so.



Hirtentäschel. Das Hirtentäschel-Kraut ist das Äquivalent zu jenen unauffälligen Mitschülern aus der zweiten Reihe, bei denen schon während der Schulzeit nicht wußte, ob sie jetzt Sabine, Susanne, Thomas oder Thorsten heißen. Die Illustration ist deutlich bombastischer als das wirkliche Kraut. Es ist wohl die bescheidenste Pflanze der gesamten Flora. Botaniker untersuchen es gerne, weil es keinerlei Rätsel aufgibt und immer die Hausaufgaben dabei hat. Auch als Heilkraut ist es nicht mehr als fleißig und bescheiden: es hilft gegen Nasenbluten. Die Vermehrung findet auch nicht durch Sex, Bienen, Schmetterlinge statt, sondern laut Wikipedia durch „Selbstausbreitung“ - braver und demütiger als das Hirtentäschel kann man auf diesem Planeten wohl nicht existieren. Ich weiß jetzt aber nicht, wie Frau Lewitscharoff das findet. Selbstausbreitung - das ist ja so, als würde man durch Onanie schwanger werden! - Natürlich wähchst der bescheidene Hirtentäschel auch nicht in Ringen, in den Hexen tanzen oder UFOs landen.



Hobbock. Noch nie in meinem Leben gehört. Ein Hobbock ist einfach ein Eimer mit Deckel. Es ist noch nicht einmal völlig klar, ob nur Blecheimer Hobbocks sind oder er unbedingt zwei Griffe haben muß. Auch die Etymologie ist unklar (Hoboken vs. Firma Hubbuck). Einfach ein nicht ordentlich eingeräumtes Ding in unserer Welt, dieser Hobbock.





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