Freitag, 6. Dezember 2013

G32 - Globus, Glocke






Globus. Eines meiner wichtigsten und schönsten Weihnachtsgeschenke. Ich überlege, wie alt ich gewesen sein mag – vielleicht zehn Jahre alt. Vorher hatte ich immer den alten JRO-Atlas meines Vaters gewälzt, erschienen ungefähr zur gleichen Zeit wie der Brockhaus. Dort gab es Bundesländer in Deutschland, die „Thüringen“ und „Brandenburg“ hießen, was ich krass seltsam fand wie mittelalterliche Reiche wie Burgund oder Aragon. Und in Afrika gab es noch „Betschuanaland“, was aber nicht viel exotischer war als „Sachsen-Anhalt“. Und auf dem Übersichtsblatt „Stratosphäre“ stand da nicht nur der Mount Everest, sondern daneben noch, allerdings mit einem zweifelnden Fragezeichen, der Gang-ka mit (?) 9150 Metern. Den kann man heute nicht einmal mehr googeln. Der verlorene Berg. Aber zurück zum Globus. Das war dann schon wirklich eine andere Nummer. Grönland und Australien waren viel kleiner auf dem Globus als auf einer Weltkarte. Der Globus hatte eine Glühbirne – wenn man das Licht ausläßt, war es politisch, wenn man das Licht anstellt, wurde es physisch. Ich hab ihn dann auch schnell gedreht und den Finger blind draufgestellt –wo er landete, da würde ich irgendwann wohnen. Das war meistens der Pazifik. Auch Weltreisen habe ich mit dem Globus imaginiert. Merkwürdigerweise bin ich immer in Ostrichtung aufgebrochen, Michael-Strogoff-mäßig, dann die Pazifikpassage, der Wilde Westen und dann über den Atlantik wieder zu diesem kleinen Fleck, der mein Deutschland war. – Hitler hat nicht nur seinen Zeigefinger reisen lassen. Sein Globus hatte einen Durchmesser von 106cm. Ein russischer Soldat hat dann in der Reichskanzlei das Deutsche Reich herausgeschossen; die Patronenkugel klappert heute noch im Innern des Globus. Er steht im Deutschen Historischen Museum. Ich hätte ihn gern in der Wohnung. Ein echtes Angebermöbelstück. Ich hab schon drei Globen im Wohnzimmer, Welt, All und Mond. Aber der Führerglobus wäre echt der Hammer. Wenn ihr mal ein Geschenk für mich sucht: Führerglobus mit herausgeschossenem Deutschen Reich und darin klapperndem Kalaschnikow-Projektil.


Glocke. Ich bin in 100m Entfernung von einer katholischen Kirche aufgewachsen. Vielleicht liegt es daran, daß ich Glockenläuten sehr anheimelnd finde. Ich bin schon als Baby in den Schlaf geläutet worden. Ich hätte gedacht, die Anlässe zum Läuten wären wenigstens konfessionell geregelt. Nichts da, die Läuteordnung ist außerordentlich komplex. Es gibt das Angelusläuten, das Marktläuten, das Sterbeläuten, zu Ostern diverse Läuterei und das Armeseelenläuten: es diente dazu, den Verirrten und Verlaufenen die Richtung der Stadt anzuzeigen. Das heißt heute Google Maps App-Läuten. Noch etwas anderes ist es, welche Glocke geläutet wird. In Schwaben gibt es die sog. „Spätzleglocke“, die um 11h geläutet wird, wenn es Zeit für das Spätzlewasser ist. Bei mir zuhause heißt es das Mi-Vit-Quay-Instant-Nudelsuppe -Entengeschmack-Läuten.– Ein nettes Detail zur Glockenherstellung: Das endgültige Gießen beginnt immer am Freitagnachmittag um 15h, zur Sterbestunde von Jesus.


Fahrradglocke. Heute sagt man Fahrradklingel. Mir ist aufgefallen, daß „Klingel“ „Glocke“ praktisch verdrängt hat. Früher war es auch eher die Türglocke, heute die Türklingel. Seltsam eigentlich, weil mit der Aufbau des Geräts hat das wohl nichts zu tun, wie man an der Fahrradglocke sieht. Ob das trotzdem mit der Elektrifizierung der Glocken zu tun hat? Für mich ist nicht völlig logisch, wann ein Terminus sich in einen anderen verwandelt, weil die Technologie oder der Zweck sich ändern. Im Auto zum Beispiel, denke ich, Handschuhfach bleibt Handschuhfach, aber ich denke, Handbremse wird zu Parkbremse.

Kommentare:

  1. Ich freue mich berichten zu können, dass man den Gang-ka heutzutage wieder ergoogeln kann. Das Biest hat allerdings furchtbar viele Namen, bzw. unterschiedliche Schreibweisen. Bokunka, Gank ka, Koungka, Minya Konka, Minya Gongkar, Gongga Shan, wie ein kurzer Zug durch die Internet-Gemeinde zutage fördert.

    Die 9000 Meter waren ein Messfehler. Man hat sich mittlerweile auf 7556 Meter geeinigt.

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  2. Das ist hochinteressant, daran war ich vor einem Jahr gescheitert. Und natürlich krass - mal eben um 1500m vermessen. Die Geschichte des Wissens ist eine Geschichte der Irrtümer.

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  3. Wirklich erschreckend ist die Statistik an dem Berg. Es gibt wohl nur rund acht erfolgreiche Besteigungen. Dagegen herrscht am Everest Massentourismus. Kaum eine Besteigung ging ohne Todesopfer ab. So rund 22 Leute sollen es bei den acht Besteigungen auf den Gipfel des Minya Gongkar geschafft haben. Dagegen stehen 16 Todesopfer. Dazu Geschichten von abgefrorenen, abfaulenden Körperteilen. 7556 Meter am AdW können ziemlich tödlich sein.

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  4. Früher hatte man an der Haustür ja auch eine echte Glocke hängen. Mit Klöppel in der Mitte, die mittels eines Seilzugs oder Stangensystems bedient worden ist. Manchmal wurde dieses sogar durch Löcher ins Haus geführt.

    Niemand hat mehr Handschuhe im Handschuhfach und wann habe ich zuletzt einen Koffer in den Kofferraum geräumt? Und die Satteltaschen am Fahrrad hängen nicht am Fahrradsattel, sondern sind nur denen vom Sattel des Pferdes nachempfungen.

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  5. Ich würde Ihnen raten, diesen Feiertag mit einer Tour https://poseidonexpeditions.com/de/arktis/ . Sehr cool Tour, die Sie für eine lange Zeit erinnern. Viele schöne Landschaft und steilen Emotionen. Wenn Sie waren nicht da damals Fahrt.

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