Freitag, 29. November 2013

G29 - Glas, Gleichgewicht




Glas. Zunächst einmal Grundsätzliches: Wikipedia berichtet, daß durch sehr schnelles Abkühlen aus dem flüssigen oder gasförmigen Zustand nahezu jeder Stoff in metastabiles Glas überführt werden kann. Das hat mich wirklich verblüfft. Ich werde mal im Winter, wenn es so richtig kalt ist, eine Gulaschsuppe, die ich mir immer in der Mikrowelle heiß mache, auf den Balkon stellen. Dann habe ich Gulaschglas! Was ich überhaupt nicht wußte: die Definition von Glas ist außerordentlich umstritten. Also wo Sand aufhört und Glas anfängt, oder umgekehrt. Einige Forscher gehen sogar so weit, Glas als vierten Aggregatzustand anzusehen: fest, flüssig, gasförmig und glasig. – Zu den Trinkgläsern: Das Weißbierglas irritierte mich zunächst sehr. Bis dann der Groschen gefallen ist: es handelt sich natürlich um ein Glas für Berliner Weiße. Bis in die 1960er Jahre war nämlich das normale Hefeweizen so gut wir vergessen; einen richtigen Boom gab es erst wieder in den 1980ern. Ich kann mich noch gut erinnern, daß meine Mutter ein paar Flaschen weggekippt hat, weil „da unten was Komisches“ in der Flasche war. Das Flügelglas ist ein weiteres Beispiel für ein umständliches und kaum benutzbares Trinkgerät – wir erinnern uns vielleicht an den Angster (A16). Mit einem Flügelglas kam man nicht anstoßen, nichts herunterkippen. Ein Glas für Trinkverlierer. - Das Nuppenglas finde ich hingegen viel logischer: es stammt aus römischer Zeit, als die Trinker immer fettige Finger hatten und das Glas so viel besser halten konnte. - Als ich klein waren, hatten wir zwei besondere Trinkgläser: sie waren einmal gratis zu einer Flasche Martini dazugegeben worden. Das eine Glas war dunkelgrün, das andere war gelb. Als Kind fand ich das cool, daraus zu trinken. Im gelben Glas verwandelte sich Tritop in Asbach Uralt, und im grünen Glas jede Flüssigkeit in Racke Rauchzart. Die Gläser haben Jahrzehnte überstanden, obwohl niemand auf sie achtgegeben hatte. Irgendwann haben wir dann doch auf sie achtgegeben, weil sie schon so alt waren, und dann lieber ein anderes Glas hergenommen. Und natürlich: das grüne Glas war dann innerhalb eines Monats kaputt. Verblüffend war aber, wie das gelbe Glas innerhalb eine Woche ebenfalls entzweibrach. Als wären die beiden ein altes Ehepaar, das ohne einander nicht weiterleben wollte. – Seltsam aus der Zeit gefallen, daß es das Angebot bei amazon gibt: Universalbügel von Weck für Einkochgläser. Na, wer weiß noch, wie die Dinger zugehen und wie aufgehen?


Gleichgewicht. Paßt ja ganz gut Bier und Likör – instabiles Gleichgewicht. Obwohl ich finde, die neu gelernten Aggregatzustände passen besser zur Betrunkenheit: fest, flüssig, gasförmig und glasig. Und am schönsten ist eigentlich der Übergang vom festen in den flüssigen Zustand.
 

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Manchmal hat es Probleme mit der Kommentarfunktion gegeben. Bitte dann eine Mail an joachimgoeb@gmail.com Danke