Freitag, 15. November 2013

F41 - Fuchs, Fuchsie






Fuchs. Ich bin in einer waldreichen Gegend aufgewachsen und habe meinen Lebtag keinen Fuchs gesehen. Die lernte ich erst in Berlin kennen, im Tiergarten. Mir ist es nach wie vor ein Rätsel, wie es in diesem doch einigermaßen übersichtlichen Gelände (2,1km²), das ständig von Hunden durchpflügt wird, Füchse überleben können, Füchse ihre Fuchsbaue anlegen, Füchsinnen kennenlernen, zusammen Sex haben, gemeinsam ihre kleinen Füchse großziehen und weitere Fuchsangelegenheiten machen, von denen ich keine Ahnung habe. Dabei sind es würdevolle, stolze Tiere, und wunderbar anzuschauen ist ihr federnder, eleganter Gang. Es sind die Herren des Tiergartens. 

Fuchsie. - Unglaublich, aber Fuchsien waren echt mal heißer Scheiß. Ursprünglich stammen sie aus Südamerika und sollten 1696 von dem Botaniker Charles Plumier nach England geschickt werden, aber das Schiff ist leider im Sturm gesunken. Im 18. Jahrhundert finden sich noch einige Seemanns- und Piratengeschichten um die Fuchsie, die im 19. Jahrhundert zu einer Modepflanze wird; man rüstete sogar Expeditionen aus, um neue Sorten zu finden. Auf der Suche nach der hellrosa Fuchsie. Wikipedia vermerkt, daß die Fuchsienbegeisterung in Europa bis zum 1. Weltkrieg anhielt, denn danach interessierte man sich für andere Pflanzen („Obst und Gemüse“) und der europäische Fuchsienbestand verlotterte. 1930 schickten kalifornische Fuchsienjäger eine Delegation nach England, um Stecklinge und Samen der vorhandenen Bestände raubzukopieren. Die 48 Sorten führten in Kalifornien laut Wikipedia zu einer „Fuchsienrenaissance“. - Und dann ist es mir wieder eingefallen. Ich rätselte, wo in unserem alten Garten Fuchsiensträuche gestanden hatten. Ich googelte Fuchsienbilder. Im Geiste schritt ich den Garten ab, zunächst den Teil oben am Haus, und dann den Gartenweg entlang. Und dort, zwischen dem Weg und einem Stück Rasen, dort war eine schmale Rabatte, und dort haben Fuchsien gestanden. Rote Fuchsien. Sie fielen mit dem Goldregen in die schmale Kategorie „Blumen, die wie Sträucher sind“ (es gab auch die Kategorie „Blumen, die wie Bäume sind“, die von einer japanischen Kirsche und einem Fliederbaum besetzt wurden).

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