Freitag, 8. November 2013

F22 - Film, Finger etc.






Film. Der Wikipedia-Eintrag „Fotografischer Film“ berichtet tapfer und ungebrochen über Filmmarken und –typen, als wäre das alles noch Gegenwart und spricht gar von „verbreiteten Filmformaten.“ Ich fürchte, in Deutschland werden täglich mehr arabische Reiterfleische nach Wilmenrod (s. A16) gekocht als Analogfilme verkauft. Wenn man das Blitzlicht mit berücksichtigt, sind es in der Fototechnik wieder die drei Ären: das analoge und mechanische Zeitalter mit Blitzlichtwürfel, das elektrische Zeitalter mit Elektroblitz und jetzt das digitale Zeitalter. - Den hier abgebildeten Packfilm kenne ich nur von Edel-Kameras. Auch der Rollfilm war etwas für Spiegelreflexpiloten. Unserereins fotografierte natürlich mit den Instamatic-Cassetten. Die Cassetten hatten zwei Zylinder auf jeder Seite, die durch eine Kunststoffbrücke verbunden waren. Auf der Hinterseite war eine kleine Öffnung, in der man die Fotonummer ablesen konnte. Es gab sie auch noch in einer kleinen Pocketgröße, für die Kodak Pocket Instamatic 200, die jeder Mensch auf der Welt in den Siebzigern zu Weihnachten geschenkt bekam, in einer Plastikbox mit Armschlaufe, Kunstlederetui und drei Blitzwürfeln. Die Kamera hatte exakt zwei Einstellungen: Sonne oder Kackwetter. Und die Erinnerung daran, daß man regelmäßig erst Wochen später die Fotos zu Gesicht bekam. Erst mußte der Film vollgeknipst werden, und zwar zuerst ein paar Portraits, dann der Garten und aus Verzweiflung schließlich sogar die Nachbarkatze. Das wäre mal ein flickr-Projekt: den Film vollknipsen.


Finger. Faszinierend sind die Verfahren zur Registrierung von Fingerabdrücken. Das Problem besteht in den Prä-Computerzeiten in der Logik, nach der die Muster abgebildet und wieder aufgefunden werden können (wie ein Lexikon mit chinesischen Schriftzeichen). In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gab es für jedes Land bzw. sogar für einzelne Städte verschiede Notationsverfahren. Der Kriminologe Robert Heindl meckerte z.B. 1922 über das Berliner System: „Das in Berlin von dem Kriminalinspektor Klatt eingeführte Registrierverfahren steht, wie wir sehen werden, unter dem Einfluß Bertillons, gehört also zu den Abarten des Vucetich-Systems. Es wurden ihm aber im Laufe der Jahre…immer weitere Elemente des Galton-Henryschen Verfahrens aufgepfropft, so daß es in seiner heutigen Form kaum mehr als eine Weiterbildung des Vucetich-Systems zu erkennen ist.“ Aha. Allerdings gibt es drei Grundtypen, die man leicht erkennt: Schleife – 65% der Bevölkerung, Wirbel – 30% und Bogen – 5%. (Etwas später) So, ich hab es jetzt ausprobiert (und einen roten Daumen). Ich hatte ein bißchen gehofft, als jemand in der 0-Blutgruppe, Rechtshänder, Braunäugiger wenigstens einmal in der kleinen aufregenden Minderheit zu sein, aber ich bin auch nur ein langweiliges Schleifenarschloch. Übirgens: das einzige Tier außerhalb der Primaten, das auch Fingerabdrücke hat, ist der Koalabär. Deshalb ist die Aufklärungsquote beim Diebstahl von Eukalyptusbonbons auch überragend hoch, zumal Koalabären nur unglaublich schlecht lügen können und dabei immer mit den Ohren wackeln. Da braucht es nicht einmal einen Pfotenabruck.


Fingersprache. Die hier gezeigte Fingersprache wurde 1620 erfunden und dient bei Gehörlosen bis heute noch zum Buchstabieren, wenn also die schnellere Gebärdensprache das Wort nicht richtig übersetzen kann, z.B. Namen. Was mir überhaupt nicht klar war: Gebärdensprachen sind eigenständige Sprachen, also kein gefuchteltes Deutsch. Ganz klar ist mir allerdings dann nicht geworden, warum dann deutsches Gehörloses anders ist als englisches Gehörloses. Hm.

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