Freitag, 4. Oktober 2013

E06 - Eisenbahn (2)




Und noch einmal die Eisenbahn. Ich hatte es schon geschrieben, es ist der industrielle Leitkomplex des Unterwegsseins in den Fünfzigern, der mit viel Hingabe im Brockhaus beschrieben wird. Tatsächlich bin ich auch noch in Zeiten groß geworden, in denen angeblich „Lokomotivführer“ ein beliebter Berufswunsch kleiner Jungen gewesen sein soll. In unserer Klasse war niemand, der Lokomotivführer werden wollte. Im Fernsehen gab es manchmal Sendungen, durch die kleine Jungen zum Berufswunsch Lokomotivführer angeregt werden sollten. Ich fand das öde. Lokomotiven hatten nicht einmal ein Lenkrad. Der Lokomotivführer drehte an einer Kurbel die Lokomotive langsamer oder schneller. Und er hält an einem Haltsignal. Und er hält an einem Bahnhof. Leute steigen aus. Andere Leute steigen zu. Die Fahrt geht weiter. Jeder unserer Busfahrer auf der Linie 57 hatte mehr Möglichkeiten, mit seinem Bus in die Walachei abzubiegen oder sonstwas anzustellen. Aber auch Busfahrer wollte niemand werden. – Interessant ist der Blick in die beiden Abteile 2. Und 3. Klasse. In der 2. Klasse gibt es einen richtigen Vorhang, in der 3. Klasse einen Rollvorhang. Hier Holz, dort Polster. Offenbar ist die 3. Klasse zwar auch ein Abteil, aber es hat keine Abteiltüren, auch keine Armlehnen und keinen Spiegel (!), keinen Kleiderhaken und kleinen Klapptisch. Der Arbeiter ist nicht für sich, ruht nicht aus, beschaut sich nicht selbst, hat keine Garderobe und kein Buch abzulegen. Das alte Dreiklassensystem wurde übrigens 1956 abgeschafft. Interessanterweise schaffte man dabei die alte erste Klasse ab und beförderte die zweite Klasse zur ersten und die dritte Klasse zur zweiten. Aber es scheint wohl üblich zu sein, drei Klassen auf dieser Welt zu haben, so wie heute im Flugverkehr die Dreiklassigkeit mit First Class, Business Class und Economy Class.Adel, Bürgertum, Bauern. Borussia Dortmund, Bayern München, Schalke 04.

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