Sonntag, 8. September 2013

D05 - Degen, Detektor etc.




Degen. Rätselhafter und seltsamer Sport. Nur die Akteure selbst, und die Fernsehzuschauer auch nur mit Zeitlupe, bekommen richtig mit, was eigentlich passiert und wer wen gerade getroffen hat. Ohnehin unangenehm sind alle Sportarten, die sehr viel Technik benötigen, wie Autorennen oder Schießen. Beim Fechtsport viele Erinnerungen an unzählige Olympiaden, besonders Seoul 1988, Goldsilberbronze für die Damen, Anja Fichtel. Und immer wieder Emil Beck. Unsympathisch auf den ersten Blick. Ein Blick in seine Biographie bestätigt das. Er war das jüngste von 13 Kindern und lernte Friseur, bis er dann Die Drei Musketiere im Kino sah. Daraufhin gründete er 1952 seinen Fechtclub im Heizungskeller der Tauberbischofsheimer Stadthalle. Er schrieb – ähnlich wie Sepp Herberger – seinen von ihm bis ins kleinste Private beherrschten Aktiven seitenlange Briefe. Jeden Gedanken und Einfall sprach er in ein Diktiergerät und ließ das Band anschließend komplett abtippen. Und nur sein Tod rettete ihn vor einer Anklage wegen Veruntreuung. Aufstieg und Fall, ein Schicksal wie Anton Schlecker. Und auch Emil Beck hatte ein signiertes Helmut-Kohl-Bild an der Wand hängen. - Interessant hier noch der sog. Degenbrecher: die Scharten sind dafür da, daß sich die Klinge dort verfängt und abgebrochen werden kann. Das könnte dann doch auch als olympische Variante umgesetzt werden.


Deich. Einer der Gründe meiner Liebe zur Nordsee: diese kleinen Wälle, die auf das Land achtgeben. Deshalb ist nie das Meer schon von weither bei der Anfahrt her zu sehen, sondern man muß zuerst einen Deich überwinden, bis man es dann sehen kann. Die Spannung, die letzten Schritte, wenn man den Deich hochsteigt. Dann der Ausblick, das Wasser, das die Welt bis zur Horizontlinie füllt. Man sieht nichts anderes als dieses Meer, nichts anderes. An den Brandungsküsten sind die Deiche oft uneinheitlicher und unregelmäßiger, an der Wattenküste dreieckig und schnurgerade. Freundliche, aber leicht dusselige Schafe stehen herum, und faule Möwen segeln im Aufwind an der Deichkrone entlang. Grauer Himmel, Hagebuttensträucher, Salzgeschmack auf den Lippen. Das ist schön dort, und niemals werde ich mich daran gewöhnen, wie schön es dort ist.


Detektor. Der abgebildete Detektor ist Bestandteil eines einfachen Radios. Detektorempfänger können zumindest per Kopfhörer Sendungen auch ohne Strom empfangen. Zur Demodulation der amplitudenmodulierten Hochfrequenz (AM) diente dieses kleine, ca. 3cm kleine Bauteil. Man muß es aufschrauben und ein Stück Bleiglanz hineinklemmen. Anschließend muß man am Griff, wie es heißt, mit ruhiger Hand eine Stelle ertasten, die einen Gleichrichtereffekt aufweist. Ja, und dann hört man endlich Radio Luxemburg. – Das Mineral Bleiglanz ist deshalb auch interessant, weil es Grundlage von Bleiweiß ist, einem Bestandteil von alten Malfarben. Durch Bleiglanz ist man schließlich auch Han van Megeren auf die Spur gekommen. Dieser geniale Fälscher betrog sogar Hermann Göring mit Jesus und die Jünger von Emmaus von Jan Vermeer, nein, eben nicht von Vermeer. Nachträglich behauptete man, die Fälschung wäre sehr leicht erkennen zu gewesen, weil die Frau genau so aussieht wie Greta Garbo, welche Jan Vermeer erwiesenermaßen unbekannt war. Megeren ging aber sehr geschickt vor. Er war umsichtig genug, sehr teuer echtes Lapislazuli einzukaufen, er benutzte originale Leinwände, echte Dachshaarpinsel und alte Rezepte für Firnisse. Die künstliche Alterung bewirkte er, indem er das Bild bei 100° trocknete und um eine Trommel wickelte, um echt aussehende Risse zu erzielen. Beim Bleiweiß tauchte allerdings das Problem auf, daß ihm zugängliches Material kein Silber enthielt wie altes Bleiweiß. So ist man schließlich doch draufgekommen Bleiweiß als Fälschungsdetektor. Zum Glück erst nach dem Weltkrieg, nach Göring. Ich entwickle langsam eine Neigung zu Betrügern: Wilmenrod der Rezeptlügner (A16), Migliore der Brillenlügner (B55), und jetzt Megeren der Vermeerlügner. Mal weiter sehen, welche Halunken noch im Brockhaus stecken.

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