Freitag, 30. August 2013

B63 - Burg




Burg. Die Illustration erinnert mich an alte Ritterburgen der Firma Hausser. O. & M. Hausser hatte bis in die Siebziger praktisch das Ritterburgenmonopol. Entweder war sie als kompakter Block aus Tiefziehfolie gepreßt, oder aber es war die Hausser 9705 ausEinzelteilen. Ich hatte die 9705. Sie bestand aus einem Hauptgebäude, einem Tor, sieben Mauerstücken, einem kleineren runden Turm und einem größeren quadratischen Turm.  Ich habe sie zu Weihnachten geschenkt bekommen, und sie war wohl mein Lieblingsspielzeug. Das ging dann sehr oft so: Meine Airfix Deutsche Infanterie waren die Angreifer. Die Verteidiger waren ein bunter Trupp hauptsächlich vom Hersteller Timpo Toys: Kreuzritter, normale Ritter, Cowboys, Mexikaner, Indianer und einige Reklamefiguren. Die Timpo Nordstaatler allerdings waren Verräter und stürmten Seite an Seite mit der Airfix-Truppe. Die wichtigsten Angriffsinstrumente waren eine völlig aus dem Maßstab fallende Kanone, zwei Timpo-Kutschen, aus Lego zusammengesteckte Sturmbrücken, eine Erbsenpistole und Nähgarn. Dieses wurde an die Zinnen geknüpft, an die sich dann deutsche Soldaten oder Unionierte auf das Burgtor oder die Mauer hochzogen. Meistens schafften die Airfix-Unions-Wehrmacht auch den Durchbruch an irgendeiner Stelle der Burg. Und schoben einige Kutschen nach, aus dessen Deckung sie dann auf die Verteidiger feuerten. Jetzt kam der entscheidende Moment: würden die Deutschen die Burg jetzt erstürmen oder von den bunten Verteidigern, inklusive meiner Lieblingsfigur, dem gelbrotem Cowboy, niedergemetzelt? Je nach Lust und Laune ging es mal so, mal so aus. Im nachhinein beunruhigt es mich etwas, das Spiel auch nach einer Kapitulation noch weitergespielt zu haben: dann erfolgte nämlich die Hinrichtung der Unterlegenen: entweder vom Turm stürzen, ein Erschießungskommando oder am Nähgarn aufhängen. - Anfang der Achtziger verschwanden Elastolinfiguren und Soldaten immer mehr aus den Spielzeugläden. Auch O. & M. Hausser hat die Friedensbewegung nicht überlebt und meldete am 29. Juni 1983 Konkurs an. Ich habe einen Tagebucheintrag von diesem Datum, aus dem hervorgeht, daß ich mich zu dieser Zeit nicht mehr für Soldaten und Katapulte, sondern eher für Mädchen interessierte.– So, ich hab mich jetzt etwas verplaudert, und darum nur noch ganz kurz zur Brockhausburg, mit drei hübschen Begriffen: die Barbakane (links unten), das ist ein vorgelagertes Verteidigungswerk. Das habe ich auch bei der Hausser 9705 schon eingesetzt. Und die Pechnase (Mitte rechts), ein Mauervorsprung, durch den Pech, Öl und Kacke auf die Angreifer geworfen wird; sie liegt genau über der Schlüpfpforte.

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