Freitag, 16. August 2013

B53 - Brettspiele





Brettspiele. Dame. Ich habe es noch einmal separat im Brockhaus nachgeschlagen: es ist das Eckfeld bei Brettspielen, das angeblich „Hocke“ heißt. Das habe ich noch nie gehört. Und die Herren Duden, Wahrig und Mackensen auch noch nicht, vom Fräulein Internet ganz zu schweigen. Die Gebrüder Grimm bieten für Hocke immerhin noch „kleinverkäufer, vornehmlich von eszwaaren“, was man sich auch ganz gut vorstellen kann, aber auch kein Eckfeld. Vielleicht hat sich auch ein Brockhausredakteur einen Spaß gemacht und ein kleines Stichwort hineingelogen. - Dame jedenfalls habe ich nie gerne gespielt. Man konnte nur so wenig Sachen machen, und außerdem mag ich keine Spiele, die sich nicht mehr wenden lassen, wenn es einmal schlecht aussieht. Mühle. Im Gegensatz als Kind am meisten gespielt. Ganz früher immer nur versucht Mühlen zu erzwingen, später klüger geworden: bessere Verteilung der Steine, den anderen einschließen. Nicht den Gegner erschießen, sondern ihn erwürgen. Man unterscheidet übrigens Brettspiele danach, ob es eine perfekte Strategie gibt, als sehr schwach gelöst, schwach gelöst und stark gelöst. Sehr schwach gelöst sind Spiele, die man nicht mehr verlieren kann, wenn man von Anfang an perfekt spielt. Mühle ist sehr schwach gelöst, und damit eigentlich langweilig. Einige Schach-Endspielkonstellationen sind ebenfalls gelöst. Das Entsetzen, wenn Schach eines Tages einmal schwach gelöst würde, das völlige Zusammenbrechen der Schachwelt. Oder hat man schon bewiesen, daß es ein perfektes Spiel bei Schach nicht geben kann? Puff, Tricktrack. Den Begriff Backgammon gibt es im Brockhaus zwischen Backfischjahre und Backobst nicht. „Puff“ heißt eigentlich Pasch. Der Begriff Puff für Bordell kommt etymologisch tatsächlich von diesem Spiel, weil in alten Bordellen offenbar gerne Puff gespielt wurde. Heute spielen sie im Puff wohl eher Tricktrack. Puff für Bordell, seltene rhetorische Figur, ist das eine Antonomasie? Salta. Das ist interessant. Das Spiel wurde 1899 von Konrad Heinrich Büttgenbach, einem erfolglosen Komponisten, erfunden. Büttgenbach, der Clemens Wilmenrod der Brettspiele, bekam auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille und durfte gegen Sarah Bernhardt spielen. Es spielt sich so ähnlich wie Dame, ist allerdings komplizierter, mit Steinen, die Sonne, Mond und Sterne heißen. Salta war ein echter Schlager und hatte Dame fast schon verdrängt, als der Erste Weltkrieg dazwischenkam. Danach wurde es dann vergessen. Was es 1952 in diesem Brockhaus zu suchen hat, ist mir rätselhaft. (Notiz: Weltkriege haben also verhindert: a) eine Einigung im amerikanisch-japanischen Zitrustaxinomiestreit (s.o. A16) b) den Siegeszug von Salta c) Fußball-WM 1942 in Deutschland.

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