Freitag, 9. August 2013

B18 - Beichtstuhl, Beischlag etc.




Beichtstuhl. In der letzten Lieferung hatten wir die Kirchenbank, heute den Beichtstuhl. Genau so ein Beichtstuhl war auch in unserer Kirche eingebaut. Ich kann mich nicht mehr genau an alle Anlässe erinnern, wann gebeichtet werden mußte, in jedem Fall vor der Kommunion und der Firmung, und dann offenbar noch, wenn der Dispo auf dem Sündenkonto ausgeschöpft war. Der Termin war immer am Samstagnachmittag. Manchmal mußte man etwas warten, bis ein Vorsünder sichtlich erleichtert den Beichtstuhl verließ und anschließend in der zweiten Reihe seine Ablaßgebete wegmurmelte. Im Beichtstuhl konnte man den Pfarrer leichter riechen als sehen. Er mußte auch ein bißchen die Formel vorsagen: Im Namen des Vaters, und ich ergänzte: und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dann ging es an meine Sünden. Meine Startsünde war stets, meiner Mutter nicht gehorcht zu haben. Ich habe mich stets auf kleine Unwahrheiten und Ungehorsamkeiten zurückgezogen. Ich glaube, ich habe mir immer drei Sünden ausgedacht. Selbst vergessene Hausaufgaben habe ich als Sündenrohstoff mißbraucht. Zwei Ave Maria, zwei Vaterunser. Was ich wohl hätte wegbeten müssen, wenn ich eine dieser unanständigen Sachen erzählt hätte? Gebeichtet hätte: „Ich habe mich angefaßt und mir dabei Manuela Schröckmann vorgestellt, die schon in der 6d einen großen Busen hat.“ Wahrscheinlich hätte ich auf Knien nach Rom rutschen müssen. Ich war immer sehr erleichtert nach dem Beichten. Der Liebe Gott hatte meinen Anteil an den Sünden der Welt von meinen Schultern genommen. Es war so, als würde man ein schuldenfreies neues Leben anfangen. Ich wage gar nicht, mir vorzustellen, wie derzeit mein Kontostand im Himmel ist, nach mehr als 30 beichtlosen Jahren. Wahrscheinlich werde ich 1 Million Ave Maria, gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, abbeten müssen, aber gut, ich hab dann ja auch viel Zeit. - Viel später erst habe ich verstanden, das Religion immer ein Schuldverhältnis ist, so ähnlich wie der Kapitalismus. Das sieht man allein daran, wie haarfein die sprachlichen Unterschiede nur sind, zwischen Gläubigen und Gläubigern, Schuld und Schulden, Credo und Kredit. Und erst mal das geniale Konzept der Erbsünde. Das Böse ist nicht etwas, das man ist, sondern etwas, das man erbt. 


Beischlag. Ein Beischlag ist eine mit Geländer versehene Terrasse an der Straßenseite von Gebäuden. Ich meine, so etwas öfter in Hamburg gesehen zu haben. Aber wie heißt nochmal das Viertel? Ich kann mich aber auch nicht entsinnen, es jemals in einem Text gelesen zu haben. „Er stand auf dem Beischlag und blickte ihr hinterher.“ Das könnte ja bei Theodor Storm stehen.

Belastung und Beschwerung. Die hier abgebildete Unterscheidung finde ich ungewöhnlich. Aber wie definiert sich jetzt der Untschied? Durch die Größe des belastenden oder beschwerenden Gegenstands? Durch die Form oder Lage des beschwerten Gegenstandes? Oder ist es nicht vielmehr so, daß der Begriff durch die Funktion definiert ist. Aber wären dann nicht sogar die Illustrationen austauschbar?

Kommentare:

  1. Der Unterschied zwischen Belastung und Beschwerung: man beschwert etwas Leichtes, aber man belastet etwas Schweres. Eine Zeitung belastet man nicht, man beschwert sie, damit sie nicht wegfliegt. Hat mir grade ein kluger Freund erklärt, der in der Zeichnung den Eisenträger erkannte.

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  2. Das klingt absolut plausibel, Linde127, und ist ab jetzt gewußt!

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  3. Also ich habe im vergangenen Monat in einer Kirche in Polen gesehen, dass man dort noch ABLÄSSE kaufen kann. Vielleicht wär das ja was... Jetzt kaufen, ab in die Tasche und vielleicht kannst du ja dann später die Zeit netter nutzen, als mit den Ave Marias (auch wenn du glaubst genug davon zu haben, man weiß ja nie!!!)!?!
    Anke

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