Freitag, 12. Mai 2017

V08 - Vogel


Vogel. Oh, was für eine schöne Illustration! Übrigens habe ich als Kind kaum glauben können, die Vögel stammten von den Dinosauriern ab. Wir hatten einige (3?) Wellensittiche, die alle Kucki hießen und alle ausgebüchst sind. Kucki 2 (3?) habe ich sogar durch das leichtfertig geöffnete Badezimmer wegfliegen sehen. Er flog in Richtung des Turms von St. Bonifatius, des mit Abstand höchsten Gebäude der Umgebung. Du kriegst den Vogel aus der Kirche, aber nicht die Kirche aus dem Vogel. Und Kuckis Urgroßeltern sollten Dinosaurier gewesen sein? Unglaublich! Es ist die herrschende Meinung, die Vögel stammten von den Theropoden ab, häßlichen Viechern, zu denen übrigens auch der Tyrannosaurus Rex gehört. Irgendwann vor 50 Millionen Jahren dachte sich die Evolution, daß Fliegen gar kein schlechtes Konzept zum Überleben sei. Vor allem das schnelle Wegfliegen. Auftritt Archaeopteryx, bei dem die Gelehrten allerdings streiten, ob er schon ein saurierhafter Vogel oder noch ein vogelhafter Saurier war. In den letzten Jahrzehnten hat man ohnehin sehr viele Vogelmerkmale bei Sauriern (Eier etc.) festgestellt. Wikipedia kommentiert: „Vögel erscheinen daher mehr und mehr als ans Fliegen angepasste, ansonsten aber typische Dinosaurier.“ Unser Dinosaurier Kucki mochte gerne Äpfel, hat wahnsinnig mit Hirsestangen  herumgesaut und kackte immer auf seine Schälchen mit Wasser und Vogelfutter. Natürlich Trill mit Jod S11-Körnchen. Wahrscheinlich sind die anderen Dinosaurier auch deshalb ausgestorben, weil sie zu wenig Jod S11 gefuttert haben.

Interessant auch die verschiedenen Fußformen. Kucki hatte eindeutig einen Sitzfuß. Überhaupt gibt es ja wohl kaum eine Wirbeltierklasse, in der es so durcheinander zugeht. Es gibt insgesamt 24 Ordnungen. So zerfällt die Ordnung der Sperlingsvögel in Singvögel und in Schreivögel. Die Schreivögel (ihr hübscher lateinischer Name ist Tyranni) kommen hier allerdings überhaupt nicht vor. Ein der Schreivögel ist der sog. Lappenpitta, der ausschließlich auf Madagaskar vorkommt. Wikipedia gesteht: „Man weiß nur wenig über sie.“ Das ist schon bemerkenswert für eine Welt, in der ja alles irgendwie gewußt wird. Also, wenn ihr noch das Wissen der Welt mehren wollt: ab nach Madagaskar, dem Lappenpitta auf die Spur!

Der Versuch, „Gesangskasten“ zu googeln, ist natürlich ein völliges Desaster. Was ich bisher auch nicht wußte – es gibt praktisch eine Gesangscasting-Industrie, die offenbar junge Menschen so weit dressiert, daß sie das Casting, den Recall, den Re-Recall, die Mottoshows und den ganzen Quatsch überstehen. Mein Wellensittich Kucki dürfte durch diesen Blogeintrag ungefähr dieselbe Prominenz aufweisen wie der zukünftige Sieger der 14. Superstar-Staffel. Die vierzehnte Staffel!

Die Gesangskästen wiederum werden hauptsächlich für Kanarienvögel benutzt. Er besteht aus mehreren Abteilen, in denen mehrere Tiere gesetzt werden. Die Abteile werden verdunkelt. In einem alten Aufsatz eines gewissen Prof. Siebers heißt es: „Die Sonne ist des Feind des Gesanges“. Vor hundert Jahren beschrieb ein anderer Kanarienzüchter, Ludwig Tretter, den idealen Gesang: „Ein langgezogener, ruhiger Vortrag, bestehend aus reinen, abwechselnden, schmelzigen, klangvollen Touren mit glatten, wohlklingenden Übergängen, mit wenig Pfeifen und zarten Klingeln, … ein zusammenhängendes, abwechslungsvolles Lied mit tiefen Hohlrollen, markigen Knorren, und quellenden Wasserrollen und tiefen Schockeln.“ Alles klar. Kucki konnte das alles nicht. Abends, vor dem Einschlafen, hat er einfach vor sich hingepiept und hingequatscht.

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