Freitag, 13. Dezember 2013

G35 - Gradierwerk, Greif etc.





Gradierwerk. Hätte man mich gefragt, was ein Gradierwerk ist, so wäre ich ziemlich aufgeschmissen gewesen. Ich hätte möglicherweise gesagt: „Ganz genau weiß ich es nicht, aber ich glaube, das ist ein Teil eines Stahlwerkes.“ So ist das bei uns Männern: wissen wir etwas nur sehr vage und ungefähr, so heißt die Einleitung: „Das weiß ich ganz bestimmt, das ist…“ Haben wir überhaupt keine Ahnung, so lautet der Einleitungstext: „Ganz genau weiß ich es nicht…“ Also: ein Gradierwerk dient der Salzgewinnung. Man leitet niedrig konzentrierte Sole über den Reisig von Schwarzdornbüschen. Dabei verdunstet das Wasser und unten kommt Mozzarella-Gewürzsalz heraus. Ich finde verblüffend, was man so alles erfinden kann: eine Baumzweigsalzmaschine. Es gibt heute noch Gradierwerke, laut Wikipedia zu „Kurzwecken“, womit Kur-Zwecke gemeint sind, nicht das Kurz-Wecken und Wiedereinschlafen. 


Gravieren. Brockhaus, das ist enttäuschend: der Flachstichel ist doppelt. - Die Gravierkugel dient auch heute noch der Aufnahme des Werkstückes, damit man von allen Seiten herumsticheln kann. Nicht weiter erstaunlich, daß auch in diesem alten Handwerk das digitale Zeitalter angebrochen ist, und zwar mit der Lasergravur. Damit ist es möglich, auch auf Glas, Pappe und Leder zu gravieren. Wer allerdings einmal tief in die Hölle schauen will, der sollte in den einschlägigen Foren einmal Topics über Trauringgravuren nachschlagen.Man läßt sich alles Mögliche in die Ringe gravieren. Das Eheversprechen in der Handschrift des Partners zum Beispiel, als wirklich äußerst in sich verdrehte Digital-Analog-Repräsentation gegenseitiger Zueignung. Als Beschriftungsvorschläge findet man weiterhin „Bis zum Mond und wieder zurück“ „Ewig dein – ewig mein“ „True love – never ends“ oder gar die ernstgemeinte Anregung, die GPS-Koordinaten des Heiratsantrages hineinzugravieren. Es wird dann auch nicht mehr lange dauern, dann wird ein Aufkleber „Luis Valentin & Lena Emilie on Tour“ auf der Heckscheibe ihres Hyundai i30 stehen.


Greif. Der Greif ist üblichweise ein Löwe mit Schnabel und Flügeln. Man vermutet, die Legende stammt aus Vorderasien, wo die Skythen beim Goldgraben haufenweise Funde von Fossilien des sog. Protoceratops machten, eines kleinen Dinosauriers. Dieses häßliche Viech hatte auch einen Schnabel und ein Skelett, das man für einen Löwenkörper halten konnte. Die Skythen waren – obwohl oder weil sie keine Schrift kannten – in ganz Vorderasien für ihre Geschwätzigkeit berüchtigt. Und so verbreitete sich die Greiflüge nach Westen, und der Greif machte als Wappentier Karriere, bis zu den Fußballvereinen Hansa Rostock und natürlich Greif Torgelow.

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